Christoph Gawenda in einer Aufführung von Henrik Ibsens "Volksfeind" an der Schaubühne Berlin. Foto: Schaubühne Berlin / Arno Declair

Nach Eklat in Peking Schaubühne muss China-Tour abbrechen

Stand: 11.09.2018 23:43 Uhr

Nach einem Eklat nach einer Aufführung in Peking muss das Berliner Schaubühnen-Ensemble ihre China-Tournee wohl abbrechen. Zwei Vorstellungen in Nanjing wurden nach ARD-Informationen von den Behörden abgesagt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Berliner Schaubühne gastiert mit Henrik Ibsens Stück "Ein Volksfeind" seit Jahren an Theatern auf der ganzen Welt. In China wird das Ensemble nun de facto rausgeworfen.

Zwei geplante Aufführungen in Nanjing fallen wohl aus. Offiziell wurde dem Schaubühnen-Team nach Informationen des ARD-Hörfunks gesagt, die Bühne sei kaputt, deswegen müssten die Vorstellungen abgesagt werden.

Scharfe Zensur der chinesischen Staats- und Parteiführung

Wirklicher Grund dürfte aber die scharfe Zensur der chinesischen Staats- und Parteiführung sein. Der konkrete Auslöser ist wohl ein Eklat während einer Schaubühnen-Vorführung am vergangenen Wochenende in Peking. In dem gezeigten Stück, in Ibsens "Volksfeind", geht es um die Manipulierbarkeit der Masse und um die Frage, was eigentlich Wahrheit ist.

In der Schaubühnen-Inszenierung treten die Darsteller am Ende der Vorführung in einen offenen Dialog mit dem Publikum.

Ensemble-Mitglieder der Schaubühne Berlin in einer Aufführung von Henrik Ibsens "Volksfeind". Foto: Schaubühne Berlin / Arno Declair
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Mitglieder des Schaubühnen-Ensembles im "Volksfeind". Am Ende treten die Darsteller in einen Dialog mit dem Publikum. Foto: Schaubühne Berlin / Arno Declair

Zuschauer ganz offen zu den Zuständen in China

Bei der ersten Vorstellung in Peking äußerten sich Zuschauer in diesem Rahmen ganz offen zu den Zuständen in China. Sie beklagten sich zum Beispiel über die Zensur, die Verlogenheit der Staatspresse und über Umweltskandale.

Teilnehmer berichten von einer emotionalen Stimmung im Theatersaal. Auch im Internet fanden sich entsprechende Einträge auf diversen Social-Media-Kanälen. Der chinesischen Staatszensur ging das offensichtlich zu weit.

Die zweite Aufführung in Peking konnte die Schaubühne deswegen nur in einer entschärften Version spielen. Die dritte und vierte Vorstellung waren für Donnerstag und Freitag in der Provinzhauptstadt Nanjing westlich von Shanghai geplant. Doch der Veranstalter - das Jiangsu Grand Theatre - sagte nun mit Hinweis auf "technische Probleme" ab. Zurzeit wartet das Team der Berliner Schaubühne in Nanjing auf eine schriftliche Absage. Bis dahin wolle man zunächst einmal abwarten.

Nach Meinungsfreiheit-Eklat: Berliner Schaubühne muss China-Tour abbrechen
Steffen Wurzel, SWR
11.09.2018 21:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. September 2018 um 22:45 Uhr.

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