Paul Auster | Bildquelle: imago/Agencia EFE

US-Präsidentenwahl Schriftsteller formieren sich gegen Trump

Stand: 05.09.2020 10:47 Uhr

Wenige Monate vor der Präsidentenwahl bezieht Amerikas Kulturszene Position gegen Präsident Trump. Schriftsteller Paul Auster hat die Initiative "Schriftsteller gegen Trump" ins Leben gerufen.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Paul Auster ist Jahrgang 1947. Noch gut kann er sich daran erinnern, als er das erste Mal den US-Präsidenten wählen durfte. 1968 war das - das Wahlalter lag damals noch bei 21. Richard Nixon trat für die Republikaner an und gewann knapp gegen den Kandidaten der Demokratischen Partei, Hubert Humphrey, den Auster damals wählte.

Viele seiner Freunde seien leidenschaftliche Idealisten gewesen, sagt er. "Für sie war Humphrey uninteressant. Deshalb sind sie gar nicht erst zur Wahl gegangen. Und ich glaube, dadurch haben sie Nixon erst zum Präsidenten gemacht. Und das ist auch jetzt wieder die Gefahr."

Junge Leute können wenig mit Joe Biden anfangen

In der Tat können viele - vor allem junge - Leute heute auch wenig mit dem demokratischen Kandidaten anfangen. Joe Biden ist 77 Jahre alt und - wie Humphrey damals - als ehemaliger US-Vizepräsident nicht gerade ein Zeichen für Aufbruch und Veränderung. "Auch für mich war Biden nicht die erste Wahl - nicht mal die zweite. Aber mittlerweile glaube ich, dass er zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht doch der beste Kandidat ist, den die Demokraten nominieren konnten."

Biden habe begriffen, "dass wir an einem Scheideweg der Geschichte stehen. Ich glaube, dass er verstanden hat, dass er die gleiche Bürde der Verantwortung trägt wie Roosevelt 1932/33, als er Präsident wurde während der Großen Depression."

"Nicht zu wählen wäre schrecklicher Fehler"

Ein schwergewichtiger historischer Vergleich, mit dem Auster wenigstens die frustrierten Jungwähler motivieren will, die in den vergangenen Monaten eher Kandidaten wie Bernie Sanders unterstützten.

"Ich weiß, dass viele von euch große Idealisten sind und gewaltige Hoffnungen haben für die Zukunft der USA - und dass ihr enttäuscht seid von der Wahl, die ihr habt. Und dass ihr nicht begeistert seid vom demokratischen Gespann Biden/Harris - und dass ihr lieber gar nicht zur Wahl gehen wollt. Aber das wäre ein schrecklicher Fehler!"

Siri Hustvedt | Bildquelle: imago images/Pacific Press Agenc
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Autorin Siri Hustvedt ruft Amerikaner dazu auf, wählen zu gehen.

Um das zu verhindern, hat Auster mit sechs anderen US-Schriftstellern die Initiative "Writers Against Trump" ins Leben gerufen. In virtuellen Treffen im Internet diskutieren sie, es gibt Fragerunden - vor allem aber Statements wie dieses von der Schriftstellerin Siri Hustvedt, die mit Auster verheiratet ist.

"Als Schriftsteller wissen wir, dass Worte wichtig sind, weil sie Einstellungen verändern können, Menschen dazu bewegen können zu handeln. Und so rufen wir alle Amerikaner auf, ihr Recht zu ergreifen, ihre Stimme zu erheben durch die Kraft der Wahl."

Mehr als 1100 Autoren haben sich Auster angeschlossen

Mehr als 1100 Schriftsteller, Drehbuchautoren, Essayisten und Songtexter aus den ganzen USA haben sich der Initiative bereits angeschlossen.

Das Ziel, Trump-Anhänger zu überzeugen, haben sie dabei längst nicht mehr, so Auster: "Ich will die Verärgerten, die Enttäuschten ansprechen. Die, die angewidert sind und nicht wählen gehen wollen. Ich dränge euch: Überdenkt das noch mal. Die Wiederwahl von Trump und der Republikanischen Partei könnte das Ende der Demokratie in den USA sein. Und der Beginn einer autoritären Herrschaft in einem Land, in dem dann niemand mehr die Möglichkeit hat, wählen zu gehen."

John Turturro | Bildquelle: imago images/ZUMA Wire
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Filmemacher John Turturro: "Lasst uns das Ding gewinnen und den Typen aus dem Weißen Haus schmeißen."

"Ich weiß, was Trump für ein Betrüger ist"

Der New Yorker Schauspieler, Filmemacher und Drehbuchautor John Turturro, der passenderweise zuletzt in der Verfilmung von Philip Roths "The Plot Against America" mitspielte, drückt es etwas weniger pathetisch aus: "Ich höre immer, das ist die wichtigste Wahl in eurem Leben. Bla, Bla, Bla. Aber, diesmal stimmt das wirklich. Das ist unsere Demokratie. Also, seid stark, geht wählen, lasst uns das Ding gewinnen und diesen Typen aus dem Weißen Haus schmeißen. Ich bin aufgewachsen mit ihm und weiß, was er für ein Betrüger ist."

Writers Against Trump – US-Schriftsteller gegen die Wiederwahl des Präsidenten
Peter Mücke, ARD New York
04.09.2020 23:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. September 2020 um 07:49 Uhr.

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