Schottlands Regierungschefin Sturgeon | AFP

Parlamentswahl in Schottland SNP gewinnt Wahl und forciert Referendum

Stand: 09.05.2021 00:34 Uhr

Bei der Parlamentswahl in Schottland siegt die regierende Schottische Nationalpartei, verpasst aber die absolute Mehrheit. Regierungschefin Sturgeon will ein zweites Referendum über die Abspaltung von Großbritannien durchsetzen.

Nach der Parlamentswahl in Schottland hat sich die Pro-Unabhängigkeitspartei SNP zur Siegerin erklärt. Bereits kurz vor Auszählung aller Stimmen war klar, dass die SNP mit Abstand stärkste Kraft im Parlament ist und ihr Ergebnis noch verbessert hat. Sie erlangte 64 Sitze.

Die absolute Mehrheit (65 Sitze) verpasste die Partei, die für die Rückkehr in die EU eintritt, somit knapp. Allerdings wird trotzdem eine Mehrheit der Unabhängigkeitsbefürworter im Parlament erwartet, da auch die Grünen für die Loslösung von Großbritannien eintreten.

Attacke auf britischen Premier Johnson

Sturgeon erneuerte ihre Forderung, dass die britische Regierung einem Unabhängigkeitsreferendum zustimmen müsse. Premierminister Boris Johnson drohe ein "Kampf mit den demokratischen Wünschen des schottischen Volkes", wenn er versuche, eine Abstimmung zu blockieren, sagte Sturgeon.

An Johnson gerichtet sagte sie: "Sie werden keinen Erfolg haben. Die einzigen Menschen, die über die Zukunft Schottlands entscheiden können, sind die Schotten." Der Zeitpunkt eines Referendums sei Sache des schottischen Parlaments und "keine Entscheidung von Boris Johnson oder irgendeinem Politiker in Westminster". Das britische Parlament hat seinen Sitz im Londoner Bezirk Westminster.

Johnson wirbt für "Team Vereinigtes Königreich"

Der britische Premier hingegen warb nach dem Wahlsieg der SNP für die Union der verschiedenen Landesteile des Vereinigten Königreichs. "Es ist meine leidenschaftliche Überzeugung, dass den Interessen der Menschen im Vereinigten Königreich und besonders der Menschen in Schottland am besten geholfen ist, wenn wir zusammen arbeiten", schrieb Johnson in einem am Samstagabend veröffentlichten Brief an Sturgeon.

Der Nutzen dieser Kooperation habe sich besonders in der Corona-Pandemie gezeigt. "Das ist Team Vereinigtes Königreich in Aktion", betonte Johnson. Vor dem Land lägen große Herausforderungen, heißt in dem Schreiben weiter. Die"breiten Schultern" des Vereinigten Königreichs hätten Arbeitsplätze und Unternehmen während der Corona-Krise geschützt. Die wirtschaftliche Erholung sei eine gemeinsame Aufgabe.

Johnson lud Sturgeon zu einem Treffen mit seiner Regierung und den Spitzen der anderen Landesteile Wales und Nordirland ein, um zu diskutieren, wie gemeinsame Herausforderungen bewältigt werden könnten. Einen ähnlichen Brief schickte Johnson an den walisischen Regierungschef Mark Drakeford, der die Parlamentswahl in dem Landesteil ebenfalls deutlich gewonnen hatte.

Schottland bildet sei 314 Jahren das Vereinigte Königreich zusammen mit England und Wales. Nach der Volksbefragung von 2014 trat Großbritannien gegen den Willen der Schotten aus der Europäischen Union aus. Sollten sich die Schotten bei einer zweiten Abstimmung für die Eigenständigkeit aussprechen, wäre es der größte Schock für das Vereinigte Königreich seit der Unabhängigkeit Irlands vor einem Jahrhundert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Mai 2021 um 20:00 Uhr.