Soldaten auf einem Wettererkundungsflug in Österreich. (Bilder des österreichischen Bundesheeres) | Bildquelle: dpa

Lawinengefahr in den Alpen Die Sprengmeister im Hubschrauber

Stand: 12.01.2019 13:10 Uhr

Die Pause beim Schneefall wird genutzt: Abgeschnittene Orte werden mit Vorräten beliefert, Lawinen werden - soweit möglich - kontrolliert abgesprengt.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

So lange das Wetter es erlaubt, sind alle verfügbaren Hubschrauber in der Luft. Sie können das Gelände erkunden und mit etwas Glück auch Lawinen kontrolliert sprengen. Udo Koller, Kommandant einer Hubschrauberstaffel der österreichischen Armee, ist im Dauereinsatz:

"Es wurden auf der Planneralm zum Beispiel oder am Hohentauern Lawinensprengungen auch durchgeführt. Insgesamt waren es 16 Lawinensprengungen - wovon zwei Lawinen abgegangen sind."

Neuer Schnee - und Orkan

Doch bald wieder werden die Hubschrauber am Boden bleiben müssen. Denn schon am Sonntag trifft die nächste Wetterfront auf die Alpen und bringt von Westen her erneut bis zu einem Meter Neuschnee - und das bei Orkan: Meterologen rechnen in den Bergen mit Windgeschwindigkeiten zwischen 120 und 140 km/h

Das sind ideale Bedingungen für Lawinenabgänge, sagt Meteorologe und Lawinenexperte Rudi Maier:

"Wir haben nach wie vor eine angespannte Lawinensituation. In vielen Bereichen gilt noch die hohe Lawinenwarnstufe vier. Das wird bis Sonntag so aufrecht bleiben, von Sonntag auf Montag erwarten wir doch noch einiges an Neuschnee. Das heißt, ein ganz wichtiger Tag für uns ist der Sonntag, um zu beurteilen, wie sich das auf Montag auswirkt."

Soldaten auf einem Wettererkundungsflug in Österreich. (Bilder des österreichischen Bundesheeres) | Bildquelle: dpa
galerie

Bilder, die das österreichische Bundesheer zur Verfügung gestellt hat, zeigen Soldaten am 7. Januar auf einem Wettererkundungsflug.

Kaum mehr Platz über den Lawinenschutzbauten

Vor allem die Lawinenschutzbauten bereiten den Einsatzkräften Sorgen. Denn auch diese müssen sich irgendwann den Schneemassen geschlagen geben. Christoph Preimesberger ist Leiter der Bergrettung in Hallstadt in Oberösterreich. "Auch im Anbruchgebiet der Lawinen sind in den vergangenen Jahren schon Schneenetze aufgestellt worden, die ein Wegrutschen da oben verhindern sollen", erklärt er. Doch das Problem sei, dass dort derzeit schon knapp fünf Meter Schnee liege. "Das heißt, die haben nicht mehr sehr viel Platz."

"Innere Wellness" statt Skifahren

Lawinenexperten warnen davor, die vorübergehende Wetterberuhigung als Entwarnung zu verstehen. Patrick Nairz vom Innsbrucker Lawinenwarndienst mahnt zur Vorsicht:

"Prinzipiell raten wir zurzeit, dass man sehr vorsichtig sein muss. Wir haben viele ausgiebige Triebschneepakete. Unerfahrenen Personen raten wir, wirklich, besser auf den gesicherten Pisten zu bleiben."

Ob erfahren oder unerfahren - Wintersport bei hoher Lawinengefahr bleibt eine gefährliche Angelegenheit. Das wissen auch Ken und Bernd aus Berlin, die ihren Winterurlaub in Obertauern im Bundesland Salzburg verbringen und die angespannte Wetterlage pragmatisch angehen: "Wir dachten uns, wenn es nicht mit dem Skifahren klappen sollte, dann machen wir halt Wellness. Aber das Hotel hat halt kein Wellness - nur ein Lokal. Also es werden wir uns auf Bier und Haxe beschränken - innere Wellness."

Österreich: Zittern vor dem nächsten Schnee
Srdjan Govedarica, ARD Wien
12.01.2019 12:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Januar 2019 um 12:09 Uhr.

Darstellung: