Eingepferchte Schweine beim Transport | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb

Arbeitsbedingungen und Tierschutz Was Dänemarks Fleischindustrie anders macht

Stand: 02.07.2020 21:42 Uhr

In Dänemarks großen Schlachthöfen ist längst nicht alles "hyggelig". Dort gibt es allerdings bislang keine Corona-Probleme - dafür aber deutlich bessere Arbeitsbedingungen.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

"Hygge", also die dänische Art, entspannt glücklich zu sein, ist auf dänischen Schlachthöfen ein Fremdwort für Tiere und für Menschen. Dort wird überwiegend industriell geschlachtet und verarbeitet. Aber es gibt strenge Tierschutzauflagen, etwa was Haltung, Transport oder das "Tierwohl vor der Schlachtung" angeht. Und auch die Arbeitsbedingungen für die meisten Beschäftigten sind anders als in Deutschland. Besser, sagt Jens Hansen im ARD-Interview. Er ist Sprecher der Danish-Crown-Gruppe, des größten europäischen Schweineschlachters und Fleischverarbeiters mit mehr als 10.000 Mitarbeitern allein in Dänemark.

"Für uns ist der große Unterschied, nicht nur zwischen Dänemark und Deutschland, sondern zwischen Dänemark und dem Rest der Welt, dass wir ein sehr starkes soziales Sicherheitsnetz haben", sagt Hansen. "Wenn sich unsere Mitarbeiter krank fühlen, können sie zuhause bleiben und bekommen immer noch einen sehr großen Teil des Lohns."

Dänemark ist stolz auf seinen umfassenden Wohlfahrtsstaat, der Beschäftigungsmodelle wie in deutschen Großunternehmen gar nicht erst zulässt: "Die Konstruktion mit den Werkverträgen in Deutschland macht alles viel komplizierter, schafft Mittelsmänner und Instanzen, die kontrolliert werden müssten", so Hansen. Viele Dinge im Werkvertragssystem vergrößerten das Risiko für Betrug, für Probleme oder Missverständnisse. "Allein die Tatsache, dass viele dieser Firmen eigene Quartiere für ihre Arbeiter haben, unterscheidet sich deutlich von dem, was in Europa sonst üblich ist."

Stundenlöhne von umgerechnet 25 Euro

Selbst die dänischen Gewerkschaften sprechen von im europäischen Vergleich guten Arbeitsbedingungen auf den dann doch wohl nur der Größe nach mit denen in Deutschland vergleichbaren Schlachthöfen. Es gebe gute und fast ausnahmslos eingehaltene Tarifverträge mit Stundenlöhnen von umgerechnet etwa 25 Euro.

Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten sind übrigens Dänen. Brian Vestergaard ist Betriebsrat bei Danish Crown. Er sagt, der Betrieb habe verschiedene Corona-Maßnahmen eingeführt: "Häufiges Desinfizieren, Abstand halten und ganz viel Information für die Kollegen. Wer Symptome hat, geht direkt nach Hause und ruft seinen Arzt an. Zur Arbeit kommt man erst wieder, wenn man gesund ist. In der Zwischenzeit gibt es Krankengeld, das steht so in den Tarifverträgen."

Tausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen

Allerdings hat die dänische Fleischindustrie nach Gewerkschaftsangaben in den vergangenen Jahrzehnten Tausende Arbeitsplätze an billigere Konkurrenten auch in Deutschland verloren. Die Branche steht unter großem Druck, die dänischen Standards sind in Gefahr, sagt Schweinezüchter Henrik Refslund: "Letzten Endes geht es ums Überleben von uns Landwirten. Wenn die Verbraucher immer billigeres Fleisch wollen, dann muss gespart werden." Einige täten es durch schlechtere Arbeitsverhältnisse, bei anderen werde der Verdienst zu klein. Und irgendwann werde die Produktion von Qualitätslebensmitteln beendet.

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Schöner schlachten in Dänemark?
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
02.07.2020 21:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juli 2020 um 05:10 Uhr.

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