Eine Rettungsweste liegt am Strand | Bildquelle: dpa

Bootsunglück vor Libyen Mehr als 70 Flüchtlinge ertrunken

Stand: 12.11.2020 19:06 Uhr

Beim Untergang eines Bootes sind vor der Küste Libyens mindestens 74 Menschen ertrunken. An Bord sollen mehr als 120 Menschen gewesen sein, darunter auch Kinder. Die Zahl ablegender Flüchtlingsboote stieg zuletzt an.

Vor der Küste Libyens sind mindestens 74 Menschen nach einem Schiffbruch ertrunken. Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. 47 Überlebende seien von der Küstenwache und Fischern an Land gebracht worden. 31 Leichen seien geborgen worden. Die Suche nach Opfern gehe weiter. Insgesamt sollen sich mehr als 120 Menschen an Bord des Bootes befunden haben, darunter den Angaben nach auch Kinder.

Am Mittwoch waren bereits sechs Menschen nach einem Schiffbruch vor der libyschen Küste ertrunken. Spanische Seenotretter der Organisation Open Arms hatten mehr als 110 Migranten aus Seenot geborgen.

Libyen ist eines der wichtigsten Transitgebiete für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Viele wagen die gefährliche Überfahrt in seeuntüchtigen Gummibooten. Immer wieder kommen dabei Menschen ums Leben.

IOM kritisiert fehlende Rettungskapazitäten

Die IOM erklärte, allein in den vergangenen zwei Tagen seien zwei Boote gekentert und dabei mindestens 19 Menschen ertrunken. In den vergangenen Wochen sei die Zahl der ablegenden Boote gestiegen.

In den Unglücken drücke sich die Unfähigkeit der Staaten aus, entschieden zu handeln und dringend benötigte Such- und Rettungskapazitäten zu entsenden, sagte der Leiter der IOM-Mission in Libyen, Federico Soda. "Tausende schutzbedürftige Menschen zahlen weiter den Preis für Untätigkeit sowohl auf See als auch an Land", erklärte er.

Nach IOM-Angaben sind in diesem Jahr mindestens 900 Menschen ertrunken, als sie über das Mittelmeer nach Europa wollten. 11.000 weitere seien zurück nach Libyen gebracht worden, wo sie dem Risiko von Menschenrechtsverletzungen, Inhaftierung oder Menschenhandel ausgesetzt seien, kritisierte die Organisation.

Bootsunglück vor Libyen
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
12.11.2020 19:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. November 2020 um 17:45 Uhr.

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