Pawel Scheremet

Nach Tod von Journalist Scheremet Mutiger Kämpfer für die Demokratie

Stand: 29.05.2018 22:46 Uhr

Er widersetzte sich stets den Mächtigen: In seiner weißrussischen Heimat machte sich Pawel Scheremet für Dissidenten stark - und wurde verhaftet. Auch in Russland und der Ukraine kämpfte der nun getötete Journalist für die Demokratie.

Ein Nachruf von Golineh Atai, ARD-Studio Moskau

Im Juli 2014 tat Pawel Scheremet das, was die meisten seiner Kollegen nicht taten: Er kündigte beim russischen Fernsehsender ORT, weil er der Redaktionspolitik, in die der Kreml immer deutlicher eingriff, nicht mehr folgen wollte. In einem Interview mit dem Weltspiegel äußerte er sich zu diesem Schritt und analysierte, wie sich die russischen Medien unter Präsident Wladimir Putin zu einem Sprachrohr der Macht und zu einem Manipulationsinstrument veränderten.

Aber Scheremet war auch kritisch gegenüber dem Staat in Weißrussland und in der Ukraine. Sein letzter Leitartikel beschäftigte sich mit den ukrainischen Freiwilligenbataillonen wie dem Azov-Bataillon und der Frage, welche Gefahr sie für die ukrainische Demokratie darstellten. Seit fünf Jahren lebte Scheremet in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, arbeitete unter anderem für das Onlineportal "Ukrainska Pravda" und Radio Vesti.

Vom Lukaschenko-Regime verhaftet

Der gebürtige Weißrusse, studierter Volkswirtschaftler, fing seine journalistische Karriere in Minsk an. Er war dort unter anderem Produzent und Moderator eines Nachrichtenprogramms im weißrussischen Staatsfernsehen - ein Programm, das 1995 von Präsident Alexander Lukaschenko eingestellt wurde. Zwei Jahre später wurde Scheremet verhaftet.

Er hatte sich stets für Pressefreiheit, Demokratie und Menschenrechte eingesetzt und besonders auf jene Dissidenten aufmerksam gemacht, die unter Lukaschenko spurlos verschwanden. Ein enger Freund von Scheremet, Kameramann beim Staatsfernsehen, gehörte zu diesen "Verschwundenen".

Nach drei Monaten im Gefängnis wurde Pawel Scheremet entlassen und zog nach Russland, wo er in den - damals vergleichsweise liberalen - Medien investigativ arbeitete, mit Dokumentarfilmen zum Tschetschenien-Krieg oder zum Thema Aids in Russland. Für seine Arbeit erhielt er 1998 den Internationalen Preis der Pressefreiheit vom Komitee für den Schutz von Journalisten sowie 2002 den OSZE-Preis zum Schutz der Demokratie und Menschenrechte. Das ARD-Studio Moskau kannte ihn persönlich und trauert um ihn.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juli 2016 um 23:37 Uhr

Darstellung: