Katars Emir al-Thani (links) wird vom saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman am Flughafen al-Ula empfangen. | AP

Golfstaaten-Gipfel Saudi-Arabien und Katar fangen neu an

Stand: 05.01.2021 17:32 Uhr

Mit allen Ehren wird Katars Emir vom saudischen Kronprinz empfangen. Dahinter steckt wohl auch ein Zugeständnis an die USA. Und damit endet eine Blockade, von der vor allem ein Gegner der Saudis profitiert hat.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Es war eine Umarmung für die Geschichtsbücher: Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, der Emir von Katar, landete im saudischen Gipfel-Ort Al-Ula, stieg aus seinem Flugzeug - und am Fuß der Treppe fielen sich Tamim und Mohammed bin Salman, der Kronprinz von Saudi-Arabien, spontan in die Arme.

Carsten Kühntopp ARD-Studio Kairo

Beide trugen Maske, doch wegen der Corona-Pandemie hatte Mohammed zu allen anderen Gipfel-Gästen, die er zuvor am Airport begrüßt hatte, deutlich Abstand gehalten.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman begrüßt den Emir von Katar am Flughafen mit einer Umarmung. | BANDAR ALJALOUD/SAUDI ROYAL COUR

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman begrüßt den Emir von Katar am Flughafen mit einer Umarmung. Bild: BANDAR ALJALOUD/SAUDI ROYAL COUR

"Meiner Ansicht nach ist das die wichtigste Botschaft: Es ist ein historischer Moment, dass der Emir mit einer Umarmung empfangen wird", so deutet es der kuwaitische Journalist Hussein Jamal. Der Gipfel werde der "Start für eine neue Phase" sein: Die Golfstaaten würden sowohl regional als auch international wieder vereint handeln.

Zugeständnis an die USA

Mitte 2017 hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain Katar mit einer Blockade belegt, weil das Land angeblich Terroristen unterstütze. In Wirklichkeit war es der Versuch, Katar auf den eigenen politischen Kurs zu zwingen.

Jetzt, dreieinhalb Jahre später, wollen die Saudis die Ölmonarchien wieder einen - zu einer gemeinsamen Front gegen den Iran, den mächtigen regionalen Rivalen. Und gewiss spürte Kronprinz Mohammed auch bereits den Atem des designierten US-Präsidenten Joe Biden im Nacken, der eine härtere Gangart gegenüber Saudi-Arabien angekündigt hatte.

"Die Wahl von Biden hat das stille Wasser bewegt und alle vorher dagewesenen Gleichgewichte geändert. Saudi-Arabien will nun belastende Konflikte beilegen, inklusive des Jemen-Krieges und der Golfkrise mit Katar", sagt der kuwaitische Politologe Abdullah Sheyji. "Dabei ist die Krise mit Katar der einfachste Konflikt, den Saudi-Arabien lösen kann: Dadurch bekommt US-Präsident Donald Trump eine Belohnung und man schickt ein Signal des guten Willens an Biden."

Wirtschaftlich das Gegenteil des Gewünschten erreicht

Das Embargo gegen Katar war menschlich besonders hart, denn es riss zahllose Familien auseinander. Weil einige Blockadeländer ihre Staatsbürger aus Katar nach Hause befahlen, verloren viele Menschen, die dort gelebt und gearbeitet hatten, über Nacht ihre Existenz. Nun atmen viele Katarer auf - so wie der junge Mann Hisham al-Hashmi.

"Alle Saudis werden uns besuchen, genauso wie alle Katarer Saudi-Arabien besuchen werden, und wir werden wieder Freunde sein, wie früher - und noch besser", sagt er. "Meine Mutter stammt aus den Emiraten. Meine ganze Familie hat sich über diese Nachricht gefreut, denn jetzt ist es möglich, mit dem Auto durch Saudi-Arabien in die Vereinigten Arabischen Emirate zu fahren, um dort Familienmitglieder zu besuchen."

Die Karte zeigt Katar und Nachbarländer |

Dass Katar gegenüber den Blockadestaaten nennenswerte Zugeständnisse gemacht hätte, ist nicht bekannt. Allerdings dürfte sich jetzt der Ton des in Doha beheimateten Senders Al Jazeera deutlich ändern: Mit der anti-saudischen Hetze dürfte es vorbei sein. Und Katar wird juristische Klagen gegen die Blockadestaaten, die es international angestrengt hatte, fallenlassen.

Als weltgrößter Exporteur von Flüssiggas ist Katar unglaublich reich und konnte alle Folgen des Embargos mit Geld lindern. Wirtschaftlich ist das Land eigenständiger geworden. Politisch führte das Embargo zu einer Annäherung an die Türkei und den Iran - eigentlich das Gegenteil dessen, was die Blockadestaaten erreichen wollten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Januar 2021 um 17:03 Uhr.