Die geflohene Saudi-Araberin Rahaf Mohammed al-Kunun auf dem Flughafen Bangkok | Bildquelle: dpa

Belastete Beziehungen Kanadas Kontroversen mit Saudi-Arabien

Stand: 12.01.2019 03:35 Uhr

Die aus Saudi-Arabien geflohene 18-Jährige erhält Asyl in Kanada - eine Tatsache, die das schwierige Verhältnis beider Länder weiter belasten dürfte.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Schon wieder Saudi-Arabien: Diesmal geht es also um die Flucht einer jungen Frau, die sich von ihrer Familie bedroht fühlt, in Thailand strandet und jetzt von Kanada Asyl gewährt bekommen hat.

Es ist Premier Justin Trudeau, der mit dieser guten Nachricht an die Öffentlichkeit geht.

"Wir haben die Anfrage der Vereinten Nationen für Asyl akzeptiert. Wir sind froh, das zu tun. Denn Kanada weiß, wie wichtig es ist, sich überall auf der Welt für Menschen- und Frauenrechte einzusetzen."

Justin Trudeau | Bildquelle: TATYANA ZENKOVICH/EPA-EFE/REX/Sh
galerie

Hat bestätigt, dass die Saudi-Araberin Asyl in seinem Land erhält: Premier Trudeau.

Furcht vor Misshandlungen durch Familienangehörige

Die 18-jährige Frau aus Saudi-Arabien befürchtet nach eigenen Angaben, von Familienangehörigen misshandelt zu werden, falls sie in ihre Heimat zurückkehrt. Sie war vergangenen Samstag in Thailands Hauptstadt Bangkok gestoppt worden. Dann hatte sie sich in einem Hotelzimmer verbarrikadiert und mit einer Social-Media-Kampagne auf ihren Fall aufmerksam gemacht.

Über Twitter setzte sie Hilferufe ab, schrieb unter anderem: "Ich bin das Mädchen, das nach Thailand weggerannt ist. Ich bin in  echter Gefahr. Die saudische Botschaft will mich zwingen, nach Hause zurückzukehren." Nun also geht es für die junge Frau nach Kanada.

Dieses von Human Rights Watch zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt al-Kunun in einem Hotelzimmer am internationalen Flughafen in Bangkok. | Bildquelle: dpa
galerie

Erhält in Kanada Asyl: Rahaf Mohammed al-Kunun.

Immer wieder Kritik an Riad

Die Flucht aus Saudi-Arabien über Thailand nach Kanada könnte das Verhältnis der beiden Länder weiter verschlechtern. Im November hatte Außenministerin Chrystia Freeland - ganz ähnlich wie die USA - Sanktionen gegen 17 Saudis angekündigt. Eine Reaktion auf die Ermordung des Journalisten Jamal Kashoggi: "Der Mordfall ist ein Wendepunkt. Er ist eine skrupellose Attacke auf die Meinungs- und Pressefreiheit."

Hinzukommt Kritik an der brutalen Kriegsführung der Saudis im Jemen und an der Festnahme von Menschenrechtsaktivisten. Das war im vergangenen August. Riad nannte Freelands Bemerkungen eine "Einmischung in innere Angelegenheiten", stoppte Flüge, wies den kanadischen Botschafter aus und zog seinen eigenen aus Kanada ab.

Kanadas Außenministerin Freeland | Bildquelle: REUTERS
galerie

Übte immer wieder Kritik an Saudi-Arabien: Kanadas Außenministerin Freeland.

Panzerverkauf geht weiter

Trotz all der Kontroversen zwischen den beiden Länder aber geht der milliardenschwere Verkauf von gepanzerten Fahrzeugen an Saudi-Arabien zumindest bislang wie geplant weiter.

Sehr zum Ärger von Daniel Turp, Jura-Professor an der Universität von Montreal, der den Waffenexport seit Jahren zu verhindern versucht, wie er dem Sender CBC erklärt:

"Es gibt doch Mittel und Wege. Man muss den Vertrag stoppen. Allein die Idee, gepanzerte Fahrzeuge nach Saudi-Arabien zu liefern, einem Land mit so einer Menschenrechtslage. Andere Länder steigen doch auch aus, Deutschland hat auch seinen Waffenverkauf ausgesetzt."

Warum also ist Trudeau so zurückhaltend - bei einem Vertrag, den nicht er, sondern sein Amtsvorgänger und politischer Gegner Stephen Harper abgeschlossen hat?

"Mangelnder politischer Wille"

Da ist von immensen Vertragsstrafen die Rede. Und von Arbeitsplätzen in Kanadas Provinz Ontario. Und da ist die Rede von einem hoch komplizierten Vertrag mit Geheimhaltungsklauseln. Jura-Professor Turp kann all das nicht verstehen:

"Ich bin sehr enttäuscht angesichts dieses Mangels an politischem Willen. Sich so hinter einem Vertrag zu verstecken! Einen Vertrag, den niemand kennt. Meine Studenten und ich haben mehrfach Einsicht verlangt - immer vergebens. Was sagt der Vertrag wirklich über Strafen? Wie viel ist es? Eine Milliarde? Mehrere Milliarden?"

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Januar 2019 um 04:46 Uhr.

Darstellung: