Bernie Sanders | AFP

US-Vorwahlen Sanders gibt sich nicht geschlagen

Stand: 11.03.2020 21:28 Uhr

Aufgeben? Nein, Bernie Sanders bleibt im Rennen. Trotz seiner erneuten Niederlage bei den US-Vorwahlen gegen Joe Biden will der 78-Jährige weitermachen.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington 

Viel Applaus wieder für Joe Biden: Der ehemalige Vize-Präsident lässt sich von seinen Anhängern feiern. Und obwohl das Rennen um die Nominierung noch nicht gelaufen ist, streckt Biden, der sich als Heiler und Versöhner sieht, in seiner Rede ausdrücklich auch die Hand zu Bernie Sanders und dessen Unterstützern aus.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Dank und die Einladung zum gemeinsamen Kampf: Das gibt es sonst eigentlichen nur, wenn der Konkurrent komplett geschlagen ist - oder aufgegeben hat. Aber soweit ist es noch nicht. Bernie Sanders ließ sich zwar Zeit, wandte sich nicht wie sonst gleich am Dienstagabend an seine Anhänger. Aber seine Botschaft bei einem kurzfristig anberaumten Pressestatement am Mittwochnachmittag Ortszeit war klar: Ich bleibe im Rennen.

Sanders hofft auf die TV-Debatte

Dabei räumte der selbsterklärte demokratische Sozialist unumwunden ein, dass die Verluste vom Dienstag weh tun und Bidens Vorsprung groß ist. Sanders gab sogar seine größte Schwachstelle offen zu: Wählbarkeit: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft wir von den Wählern hören: 'Ich mag, wofür ihr steht. Aber ich werde für Biden stimmen, weil ich dem eher zutraue, Trump im Herbst auch zu schlagen.' Ich sehe das natürlich ganz anders!"

Zumal, so der 78-Jährige, er bei jüngeren Wähler deutlich vor Biden läge. Und auch thematisch seien die meisten Demokraten mit ihm einer Meinung - egal, ob es um eine staatliche Krankenversicherung für alle gehe, die Abschaffung der Studiengebühren oder den Klimawandel.

Am kommenden Sonntag bei der nächsten TV-Debatte will Sanders nun auch die Wähler davon überzeugen - er freue sich schon auf dieses Duell, bei dem zum ersten Mal nur er und Biden auf der Bühne stehen werden. Alle anderen ernsthaften Kandidaten sind inzwischen ausgeschieden.

Auch Biden schaffte ein Comeback

Falls es Sanders gelingen sollte, wäre es nicht das erste Comeback in dieser turbulenten Vorwahl-Saison: Auch die Kampagne seines Konkurrenten Biden schien vor einem knappen Monat noch vor dem Aus zu stehen. Seine Renaissance verdankte Biden vor allem der öffentlichen Unterstützung des afro-amerikanischen Abgeordneten James Clyburn. Und der erklärte noch in der Nacht: Im Grunde sei das Rennen gelaufen, deshalb sollten die Vorwahlen beendet und die Debatten abgesagt werden.

Tatsächlich könnte ein ganz anderer Gegenspieler Sanders Comeback-Pläne vereiteln: das Coronavirus. Auch in den USA werden viele Großveranstaltungen abgesagt. Unklar also, ob die Debatte wie geplant stattfinden kann. Und selbst wenn, hat Sanders viel vor sich: Die nächsten Vorwahlen finden am kommenden Dienstag statt - in den Bundesstaaten Arizona, Florida, Ohio und Illinois. In diesen vier Staaten hatte Sanders schon vor vier Jahren gegen Hillary Clinton verloren.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. März 2020 um 22:15 Uhr im Nachrichtenblock.