Der Palazzo del Governo in San Marino | Bildquelle: imago/Danita Delimont

Corona in der Mini-Republik Lockere Öffnungszeiten in San Marino

Stand: 16.11.2020 10:28 Uhr

In vielen Teilen Europas sind in der zweiten Corona-Welle die Gastronomiebetriebe geschlossen. Nicht so in San Marino. Die kleine Enklave im Norden Italiens hält Bars und Restaurants offen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Es ist kurz nach 20 Uhr. Ein paar Kilometer entfernt, in Italien, sind alle Gastronomiebetriebe geschlossen. Hier in San Marino aber wummern auch in Corona-Zeiten abends die Bässe.

Knapp zwei Dutzend Gäste sind in der "SEM Bar", einem der angesagten Ausgehlokale in der Mini-Republik. Die Mailänderin Simona, bei Freunden in der Gegend untergekommen, ist auf einen Aperol Spritz hier. "In Mailand ist alles zu, ich bin abgehauen. Hier dagegen ist alles offen", sagt sie.

Bis Mitternacht geöffnet

Während in Italien in immer mehr Regionen strenge Ausgangsbeschränkungen gelten, können im 34.000-Einwohner-Staat Bars und Restaurants bis Mitternacht geöffnet bleiben. Eine Art Aperitif-Tourismus in Corona-Zeiten hat sich deswegen aus dem benachbarten Rimini entwickelt. Von dort ist auch Salvatore in die Bar gekommen: "Es ist das erste Mal, dass ich vor die Tür gehe. Sonst bin ich immer nur zu Hause, weil ich arbeitslos bin. Jetzt haben wir gesagt: Schauen wir doch mal, wir sind jung".

Salvatore aus Rimini
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Salvatore ist aus dem benachbarten Rimini nach San Marino gekommen.

Simona aus Mailand
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Auf einen Aperol Spritz in San Marino: Simona aus Mailand.

Die spaßorientierten jungen Italiener, die vor den heimischen Corona-Ausgangsbeschränkungen flüchten, sind den Verantwortlichen in San Marino eher unangenehm. Aber auch viele Einheimische wie die Studentin Elisa nutzen die in Corona-Zeiten ungewöhnlichen Öffnungszeiten. "Wir haben ein bisschen mehr Glück. Wir sind hier weniger Menschen und dürfen halt noch raus. Ich weiß das zu schätzen."

Partystimmung zu Halloween

Freiheiten, die zu Halloween zu teilweise ausschweifender Partystimmung in den Bars in San Marino geführt haben. Jetzt kontrolliert die örtliche Polizei jeden Abend. Es wird durchgezählt, wie viele Menschen sich im Lokal aufhalten, und überprüft, ob alle brav an den Tischen sitzen, wie vorgeschrieben.

Arbeitsminister Lonfernini
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Will am Sonderweg festhalten: San Marinos Arbeitsminister Teodoro Lonfernini.

An seinem Sonderweg in der Corona-Krise will San Marino festhalten. Bars und Restaurants bleiben geöffnet, versichert Teodoro Lonfernini, Arbeitsminister in dem komplett von Italien umgebenen Kleinstaat.

"Wir reagieren mit dieser Linie vor allem auf den Bedarf unseres Landes und unserer Bürger. Die Gesundheitsvorschriften werden eingehalten. Aber da wir nicht in der EU sind und in der Coronakrise keine Hilfe bekommen, müssen wir sehen, dass unser Land auch wirtschaftlich überlebt".

Abstand zwischen den Gästen, weniger Tische, Mund- und Nasenschutz beim Betreten der Lokale. Das gilt auch in San Marino. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in anderen Ländern Europas aber kann sich Daniel Francesconi freuen, dass seine Bar "Guaita" am Freitagabend fast komplett ausgebucht ist: "Wir sind froh, dass sie uns arbeiten lassen. Mit allen Anti-Covid-Regeln, die notwendig sind - aber wir können arbeiten".

Hohe Corona-Infektionsrate

Die andere Seite der Medaille: Im Land der lockeren Öffnungszeiten, das lange auch als Steuerparadies galt, ist die Corona-Infektionsrate seit Pandemiebeginn mehr als doppelt so hoch wie in Italien (3,7 Prozent in San Marino, 1,9 Prozent in Italien, Stand: 15. November, Quelle: Johns Hopkins Coronavirus Resource Center .

Aufgrund seines relativ guten Gesundheitssystems allerdings hat San Marino seine Sterbequote niedriger als im Nachbarland halten können (3,4 Prozent in San Marino,  3,9 Prozent in Italien. Stand: 15. November, Quelle: Johns Hopkins Coronavirus Resource Center .

Fabrizio Monaldi, Besitzer eines Imbisses im Zentrum, sagt trotzdem nachdenklich: "Das alles können wir uns natürlich nur so lange leisten, wie die Zahl der Kranken nicht weiter ansteigt. Dann ändert sich das Spiel."

Verschärfte Regeln für Emilia-Romagna-Region

Für die italienischen Aperitif-Freunde in der Nähe San Marinos hat es sich schon geändert. Seit gestern sind die Corona-Regeln für die umliegende Emilia-Romagna verschärft worden. Rausfahren aus der Region ist nun untersagt - und damit auch die Aperitif-Fahrt nach San Marino.

Aperitif-Tourismus nach San Marino in Corona-Zeiten
Jörg Seisselberg, ARD Rom
16.11.2020 09:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. November 2020 um 13:25 Uhr.

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