Krankenschwester mit Spritze und Masernimpfstoff | Bildquelle: AFP

Mehr als 60 Tote Samoa startet Masern-Impfaktion

Stand: 05.12.2019 10:59 Uhr

Tausende sind erkrankt, es gibt viele Tote: In Samoa sind die Masern ausgebrochen. Die Regierung greift zu einem ungewöhnlichen Mittel: Ärzte gehen von Haus zu Haus und verabreichen Impfungen.

Wegen eines Masernausbruchs mit mehr als 60 Toten hat der polynesische Inselstaat Samoa eine zweitägige Impfaktion gestartet. Teams aus Ärzten und Krankenpflegern sind auf den Straßen unterwegs, um Impfungen zu verabreichen. Familien sollten rote Flaggen aus ihren Häusern hängen, falls sie Impfschutz benötigten.

Die Regierung forderte die meisten Staatsbediensteten und Arbeiter auf, am Donnerstag und Freitag zu Hause zu bleiben. Für Fahrzeuge, die keinem wichtigen Zweck dienen, gelten Straßensperren. Nach einem Bericht der Zeitung "The Samoa Observer" glich die für gewöhnlich geschäftige Hauptstadt Apia einer Geisterstadt.

Eine rote Fahne hängt an der Hecke eines Grundstücks | Bildquelle: dpa
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Eine rote Flagge zeigt den Ärzteteams, ob Impfbedarf besteht.

Einwohner ignorieren Impfaufrufe

Für die Impfkampagne wurden 70 medizinische Fachkräfte aus dem US-Bundesstaat Hawaii eingeflogen, um die örtlichen Teams zu unterstützen. Ministerpräsident Sailele Tuila'epa Malielegaoi sprach von einer in der Geschichte Samoas beispiellosen Impfaktion. Ein Problem bestehe darin, dass viele Bewohner gar nicht daran dächten, dass Masern tödlich sein können. Warnungen in TV und Radio würden ignoriert. Zudem suchten einige Hilfe bei traditionellen Heilern, da sie Masern fälschlicherweise für eine typische Tropenkrankheit halten.

Menschen mit Mundschutz vor der Notarztpraxis | Bildquelle: AP
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Mehr als 4000 Menschen sind im kleinen Samoa seit November erkrankt.

Nach Angaben der Regierung Samoas sind bei dem Masernausbruch seit November mehr als 4000 Menschen erkrankt, etwa 150 davon allein seit Mittwoch. Die meisten Todesopfer sind Kinder, 54 Tote waren vier Jahre alt oder jünger. Der kleine Land hatte im November den Notstand ausgerufen, Schulen und Universitäten geschlossen und angeordnet, dass alle 200.000 Einwohner geimpft würden.

WHO will neue Daten zu Masern veröffentlichen

Wie verbreitet die Masern weltweit sind, darüber informiert am Abend die Weltgesundheitsorganisation in Genf. Die WHO will neue Statistiken zu Todesfällen vorlegen.

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in diesem Jahr bislang 503 Masernfälle gemeldet. Zwischen 2007 und 2017 gab es laut Statistischem Bundesamt insgesamt 56 Todesfälle aufgrund von Masern und Spätfolgen der Infektion. Der Bundestag beschloss im November eine Impfpflicht für Masern.

Masern sind extrem ansteckend. Die Viren können über winzige Speicheltröpfchen in der Luft übertragen werden - etwa in einem Raum, in dem sich ein Infizierter aufhält oder kurz zuvor aufhielt. Einige Tage danach breitet sich meist ein Ausschlag über den ganzen Körper aus. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten kommt es zu Komplikationen wie Mittelohr- oder Lungenentzündung. Seltene Folge sind Gehirnentzündungen, die tödlich enden können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2019 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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