Italiens Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini gestikuliert bei einer Pressekonferenz (Archivbild). | Bildquelle: AP

Italienische Regierung Salvini attackiert Macron

Stand: 22.01.2019 18:15 Uhr

Italiens Vize-Premier Salvini hat Frankreichs Regierung heftig angegriffen: Er nannte Macron einen "sehr schlechten Präsidenten". Es ist nicht die erste Attacke gegen das Nachbarland - und das binnen weniger Tage.

Die italienische Regierung scheint es auf Streit mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron anzulegen: Vize-Regierungschef Matteo Salvini hat auf Facebook zu einer verbalen Attacke gegen ihn ausgeholt. In einer Videobotschaft sagte er, die Europawahl am 26. Mai gebe dem französischen Volk die Gelegenheit, sich "von einem sehr schlechten Präsidenten zu befreien".

Salvini warf Macron vor, den "Stolz" der Franzosen schlecht zu repräsentieren und rief die Franzosen auf "seine Zukunft und sein Schicksal wieder in die eigene Hand zu nehmen". Zugleich betonte er seine Nähe zum Nachbarland: "Ich bin mit ganzem Herzen und meiner ganzen Arbeit beim französischen Volk".

Edouard Philippe und Emmanuel Macron | Bildquelle: AP
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Ein "schlechter Präsident" sein Emmanuel Macron, sagte Matteo Salvini.

Di Maio wirft Frankreich "Kolonialismus" vor

Tags zuvor hatte das französische Außenministerium in Paris die italienische Botschafterin einbestellt - der Grund waren Äußerungen des italienischen Außenministers und Vize-Regierungschefs Luigi di Maio.

Er hatte Frankreich am Sonntag vorgeworfen, "kolonial" zu agieren und durch seine Politik zur Verarmung Afrikas und in der Folge zur Massenflucht von dem Kontinent beizutragen.

Salvini legte nach und sagte dem Fernsehsender Canale 5: "In Libyen hat Frankreich kein Interesse daran, die Situation zu stabilisieren, wahrscheinlich weil es dort Öl-Interessen hat, die denen Italiens entgegenstehen."

Zuruf an "Gelbwesten"-Protestbewegung

Italiens rechtspopulistische Regierungskoalition liegt schon seit längerem mit dem überzeugten Europapolitiker Macron überkreuz. Einer der Ursachen ist ihre restriktive Flüchtlingspolitik. Sie untersagt Rettungsschiffen und im Mittelmeer geretteten Migranten, in italienische Häfen einzulaufen.

Anfang Januar hatten Di Maio und Salvini die "Gelbwesten"-Bewegung, die in Frankreich teils gewaltsam gegen die Regierung demonstriert, zur "Standhaftigkeit" aufgerufen. Macron regiere "gegen sein Volk", sagte Salvini damals. Die französische Regierung hatte daraufhin "Respekt" von dem EU-Partnerland Italien eingefordert.

"Gelbwesten"-Proteste in Paris | Bildquelle: IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX/Shutter
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Die Spitzen der italienischen Koalitionsregierung riefen die "Gelbwesten" zum Durchhalten auf - zum Unmut der französischen Regierung.

Conte: Beziehungen zu Frankreich bleiben stark

Italiens Premierminister Giuseppe Conte erklärte infolge der Provokationen seiner Stellvertreter, die Beziehungen zwischen Italien und Frankreich blieben stark. "Das stellt nicht unsere historische Freundschaft mit Frankreich oder dem französischen Volk infrage. Diese Beziehung bleibt stark und fest trotz aller politischen Streitigkeiten", sagte er in einer Mitteilung.

Aus dem französischen Präsidialamt wies man die jüngsten Provokationen als "lachhaft" zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Januar 2019 um 09:10 Uhr in der Sendung "Europa heute".

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