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UN-Krisengipfel zur Sahel-Zone Afrika droht die nächste Hungerkatastrophe

Stand: 15.02.2012 19:58 Uhr

In Somalia ist das Schlimmste gerade überstanden, vor wenigen Tagen hat die UNO die Hungersnot für überwunden erklärt. Doch im Westen Afrikas, der Sahel-Zone, droht bereits eine neue Katastrophe - als Folge einer Dürre im Jahr 2010. Die Vereinten Nationen sind fest entschlossen, dieses Mal zu agieren statt nur zu reagieren.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Am Schluss des Krisengipfels in Rom hält Kristalina Georgieva ein weißes Armband mit einem roten Streifen in die Höhe. Angelegt an den Oberarm eines Kindes sei das eine Art Maßband für Hunger, sagt die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe: "Dieser eine Zentimeter markiert den Unterschied zwischen Leben und Tod für Kinder. Und darüber haben wir heute gesprochen: dass wir verhindern, dass eine Million Kinder in der Sahel-Zone in den roten Bereich kommen."

"Wir haben vielleicht zwei, drei Monate Zeit"

Der "rote Bereich" bedeutet Hunger, Unternährung, Tod. Unmittelbar bedroht sind etwa 15 Millionen Menschen, die vor allem in Niger, Burkina Faso, Mali, Mauretanien und im Tschad leben. Hier gab es im vergangenen Jahr zu wenige Niederschläge, und das bisschen Regen kam auch noch zu spät - mit verheerenden Auswirkungen für die Ernte.

José Graziano da Silva, der Direktor der UN-Ernährungsorganisation FAO, gibt das Ziel vor: "Es gibt eine Dürre, aber noch keine Hungersnot. Die kann noch verhindert werden. Dafür haben wir zwei, vielleicht drei Monate Zeit. Aber nicht mehr. Und dabei müssen wir bedenken, dass Regionen wie Somalia, wo wir gerade das Schlimmste hinter uns haben, immer noch auf Hilfe angewiesen sind."

Vor nicht einmal zwei Wochen haben die Vereinten Nationen die Hungersnot in Somalia offiziell für beendet erklärt, nun droht eine neue Katastrophe im Westen des afrikanischen Kontinents. Die Fehler von Somalia, wo die erste Hilfe viel zu spät kam, wollen die Vereinten Nationen diesmal nicht wiederholen. Deshalb hat die Direktorin des Welternährungsprogramms WFP, Josette Sheeran, in Rom die verschiedenen UN-Organisationen und die wichtigsten Geldgeber an einen Tisch gebracht. Etwa 800 Millionen Dollar werden für Nahrungsmittelhilfen benötigt. "Wir haben bereits mehr als 100 Millionen Dollar gesammelt. Und damit können wir 62.000 Tonnen Güter und Zusatz-Nahrungsmittel für Kinder bereitstellen. Genug um vier Millionen Menschen einen Monat lang zu ernähren", sagt Sheeran.

Hungersnot könnte die gesamte Region destabilisieren

Drohende Hungersnot in Afrika
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Eine Dürre im Westen Afrikas hat die Ernte zerstört - dort droht jetzt eine Hungersnot.

Die Europäische Union hat ihre Hilfe um 30 Millionen Euro aufgestockt, die Bundesregierung stellt zwölf Millionen bereit. Deshalb der Appell des WFP an die Weltgemeinschaft, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Eine Hungersnot, so die Warnung von FAO-Direktor da Silva, könnte die gesamte Region destabilisieren: "Das ist eine sehr konfliktträchtige Region. Es gibt viele Faktoren, die Konflikte anheizen, einer davon ist sicherlich Unterernährung. Und das müssen wir auf jeden Fall verhindern."

Die Menschen in der Sahel-Zone sind auch ein Opfer des Klimawandels, es ist bereits die dritte Dürre innerhalb eines Jahrzehnts. Und viele Menschen, so das Welternährungsprogramm, haben sich von der letzten Trockenperiode im Jahr 2010 noch nicht erholt.

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