Der Berater der russischen Raumfahrtbehörde, Iwan Safronow, in einem Gerichtssaal hinter Gittern | Bildquelle: dpa

Der Fall Iwan Safronow Investigativ-Journalist oder NATO-Spion?

Stand: 07.07.2020 20:41 Uhr

Iwan Safronow war einst angesehener Journalist und galt als Militär-Experte. Jetzt werfen russische Behörden dem Berater der Raumfahrtbehörde Spionage und Hochverrat vor. Seine Kollegen sind entsetzt.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Als sich die Nachricht von der Festnahme Iwan Safronows herumspricht, macht sich bei vielen seiner früheren Kollegen Entsetzen breit. Denn die Anschuldigungen des Inlandsgeheimdienstes FSB wiegen schwer: Dem Journalisten und Militärexperten, der viele Jahre für die Tageszeitungen "Kommersant" und "Vedomosti" gearbeitet hat und Mitglied im Medien-Pool des Kreml war, wird Hochverrat vorgeworfen.

Er soll Informationen zu militärtechnischen Kooperationen an die NATO weitergegeben und Staatsgeheimnisse, die die nationale Sicherheit und Verteidigung berühren, verraten haben.

"Soweit uns bekannt ist, bezieht sich die Inhaftierung nicht auf die journalistische Tätigkeit, die Safronow zuvor ausgeübt hat", erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf Nachfrage von Journalisten. "Wir wissen, dass Iwan in den vergangenen Monaten seine journalistische Arbeit beendet hat. Und dass er zuletzt in einem anderen Job tätig war." Und zwar als Berater des Chefs der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin.

Iwan Safronow am Schreibtisch | Bildquelle: dpa
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Viele Jahre hatte Iwan Safronow für die Zeitungen "Kommersant" und "Vedomosti" gearbeitet.

Worum geht es überhaupt?

Im Mai war Safronow zu Roskosmos gewechselt - dort war er auch für Kommunikation zuständig. Zugang zu Geheimnissen habe er dort nicht gehabt, betonte Pressesprecher Wladimir Ustimenko im staatsnahen Fernsehen: "Safronows Festnahme betrifft nicht seine derzeitige Arbeit in der staatlichen Gesellschaft Roskosmos."

Wenn es aber offiziell weder um seine zum Teil brisanten Artikel über Waffengeschäfte, um seine investigativen Recherchen zu Unglücksfällen im militärischen Bereich, noch um seine Tätigkeit bei Roskosmos geht - worum dann?

Das fragen sich auch seine ehemaligen Kollegen, die heute für ihn auf die Straße gingen - und zum Teil selbst festgenommen wurden. So Kristina Duragina, die konkret wissen will, worauf die Vorwürfe gegen Safronow beruhen: "Man muss uns genau erklären, was passiert ist und nicht einfach Leute festnehmen." In den vergangenen Tagen seien Journalisten verhaftet worden. "Ich kann mich nicht erinnern, dass in den Verfassungsänderungen steht, dass Journalismus jetzt eine verbotene Tätigkeit auf dem Territorium der Russischen Föderation sei."

"Absurder Verdacht"

Auch die Redaktion des "Kommersant" stellte sich hinter ihren ehemaligen Mitarbeiter. In einer im Internet veröffentlichten Erklärung heißt es - Zitat: "Iwan ist ein wahrer Patriot Russlands, der über die Armee und den Weltraum schrieb, weil er sich aufrichtig Sorgen um sie macht. Der Verdacht des Verrats am Vaterland erscheint in seinem Fall absurd."

Kreml-Sprecher Peskow hält dagegen: "Wir wissen, dass unsere Geheimdienste viel Arbeit haben. Und sie machen ihren Job sehr gut." Will sagen, irgendwas müsse da schon sein. Was genau, weiß vorerst der Geheimdienst allein.

Safronow selbst hat vor Gericht seine Unschuld beteuert. Der FSB hat Untersuchungshaft beantragt. 

 

Der Fall Iwan Safronow - NATO-Spion? Oder doch nur Investigativ-Journalist?
Christina Nagel, ARD Moskau
07.07.2020 20:13 Uhr

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