Der belarusische Machthaber Lukaschenko und der russische Präsident Putin bei einem Treffen in Sotschi | via REUTERS

Lukaschenko trifft Putin Auf der Suche nach Unterstützung

Stand: 28.05.2021 22:58 Uhr

Nach der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine steht der belarusische Machthaber Lukaschenko schwer unter Druck. Bei dem Besuch in Sotschi suchte er nun Unterstützung von Kreml-Chef Putin.

Von Stephan Laack,  WDR

Kreml-Chef Wladimir Putin zeigte sich bestens aufgelegt, als er am frühen Abend den belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko empfing. Das Wetter in Sotschi sei gut, befand Putin, man könne Baden gehen - es werde auch immer wärmer. Er glaube auch, dies würde auch zur guten Laune beitragen. "Ich bin wirklich froh, Sie hier zu sehen."

Stephan Laack

Sein Gast aus Belarus bedankte sich umgehend. Auch dafür, dass er an einem Freitag nach Sotschi eingeladen worden sei - so könne er das ganze Wochenende bleiben. Doch Lukaschenko machte gleich zu Beginn klar, worum es ihm bei diesem Besuch eigentlich ging, und beklagte den Druck des Westens auf sein Land.

"Was hat Belavia damit zu tun?"

Die nach der erzwungenen Landung der Ryanair-Maschine verhängten EU-Sanktionen bestraften die belarusische Fluggesellschaft Belavia. Obwohl die doch gar nichts damit zu tun habe, so Lukaschenko. Die belarusische Airline musste nach den verhängten Flug- und Landeverboten ihre Verbindungen in die EU-Staaten einstellen.

Was das Unternehmen damit zu tun hätte?, fragt der belarusische Machthaber seinen russischen Kollegen, und konstatiert, ein Belavia-Flugzeug sei nicht involviert gewesen. "Sie werfen es den Militärs vor. Was hat Belavia damit zu tun? Druck ohne Ende!"

Putin nahm den Ball gern auf und erinnerte an einen Vorfall aus dem Jahr 2013. Da hätte man auch mal ein Flugzeug mit dem Präsidenten aus Bolivien zum Landen gezwungen! "Aber damals keine Reaktion", behauptete das russische Staatsoberhaupt.

Vor acht Jahren musste der bolivianische Präsident Evo Morales aus Moskau kommend unfreiwillig in Wien landen. Spanien, Frankreich und andere EU Länder verwehrten seiner Maschine die Überflugrechte. Hintergrund waren Gerüchte, wonach sich der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Bord befunden haben sollte. Damals habe es keine Empörung in der EU gegeben, so Putin. Der Kreml-Chef sicherte Lukaschenko in der Konfrontation mit dem Westen Unterstützung zu.

"Für unsere Bürger"

Putin hob die positive Entwicklung in den Wirtschaftsbeziehungen beider Länder hervor und kam dann zu seinem wahrscheinlich wichtigsten Thema: der engeren Anbindung von Belarus an Russland.

Es gebe auch positive Tendenzen in anderen Bereichen - wie etwa der Ausbau des Unionsstaates. Man tue dies unter Berücksichtigung der Interessen von Belarus und Russland. "Für unsere Bürger", so Putin. "Hier müssen wir nichts überstürzen, sondern alles stetig vorantreiben."

Und Lukaschenko bleibt angesichts der Isolation seines Landes im Westen kaum etwas anderes übrig, als sich in die Arme des großen Nachbarn im Osten zu begeben. Russland ist der bei Weitem wichtigste Handelspartner von Belarus und gewährte dem Land zuletzt Milliardenkredite.

Der belarusische Machthaber Lukaschenko und der russische Präsident Putin bei einem Treffen in Sotschi | AFP

Lukaschenko beklagte sich bei Putin über den Druck aus dem Westen Bild: AFP

EU: Fordert nach wie vor den Rückzug

 
"Uns wurde Stagnation vorhergesagt", beklagte Lukaschenko. Aber die Wirtschaft sei in Ordnung - angebunden an die russische Wirtschaft natürlich. Immer gebe es diejenigen, die ihnen Steine in den Weg werfen wollen. Aber das wüsste Putin ja.

Die Europäische Union fordert nach wie vor den Rückzug Lukaschenkos und Neuwahlen. Die EU-Kommission legte kurz vor dem Treffen in Sotschi einen Plan für ein drei Milliarden Euro starkes Unterstützungspaket für Belarus vor. Es soll aktiviert werden, sobald Belarus einen demokratischen Übergang eingeleitet hat.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. Mai 2021 um 21:45 Uhr.