Instagram-Post von Alexej Nawalny | via REUTERS

Verurteilter Kreml-Kritiker Nawalny meldet sich aus Straflager

Stand: 15.03.2021 17:35 Uhr

Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass Nawalny aus einem Untersuchungsgefängnis weggebracht wurde. Seitdem fehlte tagelang jedes Lebenszeichen von ihm. Nun hat sich der russische Oppositionspolitiker aus einem Straflager gemeldet.

Rund anderthalb Monate nach einem international heftig kritisierten Gerichtsurteil ist der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny in ein russisches Straflager gebracht worden. Er werde im Gebiet Wladimir rund 100 Kilometer östlich von Moskau festgehalten, schrieb Nawalny auf Instagram. Dazu postete er ein altes Foto, das ihn mit kahl geschorenem Kopf zeigt.

Obwohl er den zahlreichen Medienberichten über Folter in dem Lager Glauben schenke, habe er bislang keine Gewalt beobachten können, schrieb der 44-Jährige. Er selbst stehe unter permanenter Überwachung, überall hingen Kameras. "Aber wenn man es mit Humor nimmt, ist es möglich zu leben."

Tagelang kein Lebenszeichen

Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass Nawalny aus einem Untersuchungsgefängnis weggebracht worden war. Seitdem beklagten Unterstützer und Familie, dass tagelang jedes Lebenszeichen von ihm gefehlt habe. Auch heute warteten die Anwälte des Oppositionellen laut eigener Aussage zunächst stundenlang vergeblich vor dem Lager auf eine Auskunft.

In sozialen Netzwerken forderten zahlreiche Nutzer am Wochenende unter dem Hashtag #GdjeNawalny ("Wo ist Nawalny") Informationen über den Verbleib des Oppositionellen.

EU fordert Nawalnys Freilassung

Nawalny war Anfang Februar zu mehreren Jahren Straflager verurteilt worden, wurde danach aber zunächst weiter in einem Untersuchungsgefängnis festgehalten.

Die russische Justiz wirft ihm vor, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen zu haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Deutschland, die EU und die USA hatten Nawalnys Freilassung gefordert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. März 2021 um 17:45 Uhr in den Wirtschaftsmeldungen.