Schiffe an der Straße von Kertsch | Bildquelle: REUTERS

Ukraine und Russland Eskalation vor der Krim

Stand: 26.11.2018 00:16 Uhr

Die Ukraine beschuldigt Russland, das Feuer auf Schiffe ihrer Marine eröffnet zu haben. Es soll Verletzte geben. Moskau hat eine wichtige Meerenge gesperrt - und spricht von ukrainischen Provokationen.

Die ukrainische Marine wirft Russland einen Angriff auf ihre Schiffe vor der Küste der Halbinsel Krim vor. Russische Schiffe hätten "das Feuer auf eine Gruppe von Schiffen der ukrainischen Marine eröffnet", erklärten Marinevertreter. Sechs Menschen seien verletzt worden. Russland habe drei Schiffe beschlagnahmt.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB bestätigte laut Nachrichtenagentur RIA, dass ukrainische Marineschiffe mit Waffengewalt gestoppt worden seien. Sie hätten widerrechtlich die russische Grenze passiert und Forderungen, dies zu unterlassen, ignoriert. Der FSB sprach ebenfalls von drei beschlagnahmten Marineschiffen. Drei ukrainische Besatzungsmitglieder seien verletzt worden und würden medizinisch behandelt. Sie seien außer Lebensgefahr.

Meerenge von Kertsch gesperrt

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge in der Straße von Kertsch. Russland hat die Meerenge mittlerweile blockiert, womit die ostukrainische Küste vom Schwarzen Meer abgeschnitten ist. Ein Tanker sperrt die Meerenge, Dutzende Frachtschiffe können dadurch nicht weiterfahren.

Nach ukrainischen Angaben hatte zuvor ein Schiff der russischen Küstenwache einen Schlepper der ukrainischen Marine gerammt, der mit zwei ukrainischen Militärschiffen die Meerenge vom Schwarzen Meer zum Asowschen Meer durchqueren wollte. Russland sei vorab über die geplante Reise informiert worden, hieß es in der ukrainischen Mitteilung.

Russische Hoheitsgewässer ohne Erlaubnis durchfahren?

Nach Darstellung der russischen Küstenwache durchfuhren die ukrainischen Marineschiffe ohne Erlaubnis russische Hoheitsgewässer. Der FSB beschuldigte die ukrainische Marine, Russland provoziert zu haben. Deren Ziel sei, "eine Konfliktsituation in der Region zu schaffen", zitieren russische Nachrichtenagenturen den FSB.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko will das Parlament in Kiew als Reaktion auf den Zwischenfall über die Einführung des Kriegsrechts entscheiden lassen. Das gab er nach einer Sondersitzung des nationalen Sicherheitsrats bekannt. Eine entsprechende Bitte an die Abgeordneten sei formuliert worden. Zudem setzte Poroschenko die Reservisten der Streitkräfte in Bereitschaft. Die bedeute jedoch nicht unmittelbar eine Mobilmachung, fügte er hinzu.

Das Asowsche Meer nordöstlich der Halbinsel Krim entwickelt sich seit Monaten zu einem weiteren Schauplatz des Konflikts der Nachbarländer. Das Verhältnis ist wegen der 2014 von Russland annektierten Krim und der Ostukraine, wo Moskau aus westlicher Sicht die prorussischen Separatisten militärisch unterstützt, zerrüttet.

EU und NATO rufen zu Deeskalation auf

Die Europäische Union und die NATO forderten Moskau auf, die Straße von Kertsch wieder freizugeben und so zur Deeskalation beizutragen. "Die Spannungen im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch haben sich heute gefährlich verstärkt", erklärte EU-Kommissionssprecherin Maja Kocijanic. "Wir erwarten von Russland, die freie Passage der Straße von Kertsch wiederherzustellen", fügte die Sprecherin hinzu. Sie rief überdies alle Beteiligten auf, "mit größter Zurückhaltung zu agieren, um die Situation sofort zu deeskalieren".

Auch die NATO rief zu "Zurückhaltung und Deeskalation" auf. An Russland appellierte das Verteidigungsbündnis, "in Übereinstimmung mit internationalem Recht einen ungehinderten Zugang zu ukrainischen Häfen im Asowschen Meer sicherzustellen".

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. November 2018 um 22:45 Uhr.

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