Der russische Außenmister Lawrow bei seiner Jahrespressekonferenz  | Bildquelle: AP

Russland zu Trump Liebesgrüße aus Moskau

Stand: 17.01.2017 15:44 Uhr

Russland sendet klare Signale an den künftigen US-Präsidenten Trump: Außenminister Lawrow hofft auf verbesserte Zusammenarbeit, Präsident Putin nimmt ihn gegen Vorwürfe in Schutz. Moskau will Trump vermehrt in die Syrien-Verhandlungen einbinden.

Russland hofft mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf einen umfassenden Neuanfang im schwierigen bilateralen Verhältnis. Der russische Außenminister Sergej Lawrow listete in Moskau viele Bereiche auf, in denen man mit der neuen US-Führung ins Gespräch kommen wolle - vom Kampf gegen den Terrorismus über Syrien bis zu strategischer Stabilität.

"Donald Trump will, dass jedes Land für seine eigene Entwicklung verantwortlich ist. Das trifft sich mit unserem Ansatz", sagte Lawrow bei seiner Jahrespressekonferenz. Er dementierte aber, dass schon bald nach Trumps Amtsantritt ein Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin geplant sei.

Mehr Zusammenarbeit bei Terrorbekämpfung

Donald Trump | Bildquelle: AFP
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Trump tritt das Präsidentenamt am 20. Januar an.

Der internationale Terrorismus sei auch im abgelaufenen Jahr größte Gefahr für die Weltsicherheit gewesen, sagte der Außenminister. "Wenn Trump sagt, dass für ihn der Kampf gegen den Terrorismus Vorrang hat, dann können wir das nur begrüßen." Die scheidende US-Führung von Präsident Barack Obama habe außer Worten wenig zu dem Kampf beigetragen.

Gespräche über Nuklearwaffen geplant

Unter Obama sei auch das System der strategischen Stabilität gestört worden. Als Beispiel nannte Lawrow die NATO-Raketenabwehr im Osten Europas und die Entwicklung neuer Interkontinentalraketen, die aber nicht nuklear bestückt sind und ein Element strategischer Unsicherheit schaffen.

Russland erwarte einen Dialog über strategische Stabilität inklusive Nuklearwaffen, sagte Lawrow. Dies umfasse zudem einen Austausch über den US-Raketenschutzschild in Europa, Atomtests, Weltraumwaffen und hypersonische Waffen. Die Stationierung von NATO-Truppen in den baltischen Staaten bezeichnete er als "schlechte Idee".

Fallen die Ukraine-Sanktionen?

Trump, der am Freitag die Nachfolge von Barack Obama antritt, hatte in einem Interview ein Ende der im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen gegen Russland in Aussicht gestellt. Im Gegenzug solle der russische Präsident Wladimir Putin einem Abkommen zur Reduzierung von Atomwaffen zustimmen. Die NATO bezeichnete Trump als obsolet.

USA sollen an Syrien-Gesprächen teilnehmen

Russland lud Vertreter der künftigen US-Regierung von Donald Trump zu Syrien-Gesprächen in Kasachstan ein. Er hoffe, dass russische und amerikanische Experten bei den Gesprächen in der kasachischen Hauptstadt Astana Diskussionen über den Antiterrorkampf in Syrien beginnen könnten, sagte Lawrow. Moskau erwarte, dass die Kooperation für eine Beilegung der Syrien-Krise mit der neuen US-Regierung produktiver sein werde als mit der scheidenden Führung.

Putin stellt sich hinter Trump

Der russische Präsident Wladimir Putin (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Der russische Präsident Putin beschuldigt die Obama-Administration einer Kampagne gegen Trump.

Der russische Staatschef Wladimir Putin nahm Trump gegen Vorwürfe in Schutz, die in einem Dossier mit unbestätigten, potenziell aber schädigenden Informationen über den Wahlsieg formuliert worden waren. Die scheidende Regierung versuche mit Unwahrheiten, die Legitimität Trumps zu untergraben, sagte Putin. Diejenigen, die solche falschen Anschuldigungen verbreiteten, seien "schlimmer als Prostituierte". Trump bezeichnete die Vorwürfe als "Fake News".

Putin zog Parallelen zwischen dem Aufstand gegen den russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch in der Ukraine im Jahr 2014 und der aktuellen Lage in den USA. Mit Blick auf die angebliche Beteiligung der USA an der Revolte sagte er, einige wollten nun einen "Maidan in Washington anzetteln".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Januar 2017 um 13:49 Uhr

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