Ein Mann geht mit einem Fahrrad auf einer Straße in Mariupol, die durch einen Beschuss beschädigt wurde.  | dpa

Krieg gegen die Ukraine Gegenseitige Vorwürfe zu Chemiewaffen

Stand: 11.03.2022 04:22 Uhr

Russland hat den UN-Sicherheitsrat um eine Dringlichkeitssitzung zu angeblichen Chemiewaffen in der Ukraine gebeten - ohne seine Vorwürfe zu belegen. Es mehren sich die Sorgen, dass Moskau damit den Weg bereiten will, selbst Massenvernichtungswaffen einzusetzen.

Der UN-Sicherheitsrat soll sich nach dem Willen Russlands heute mit angeblich von den USA in der Ukraine hergestellten Biowaffen beschäftigen. "Die russische Vertretung hat um ein Treffen des Sicherheitsrates für den 11. März gebeten, um die militärisch-biologischen Aktivitäten der USA auf dem Territorium der Ukraine zu erörtern", schrieb der stellvertretende russische UN-Botschafter Dmitri Poljanski auf Twitter. Diplomaten zufolge ist die Dringlichkeitssitzung für 16.00 Uhr MEZ (10.00 Uhr New Yorker Zeit) angesetzt.

Hintergrund ist Russlands Vorwurf an die USA und die Ukraine, biologische Waffen zu entwickeln. Erst am Montag behauptete das russische Verteidigungsministerium, in der Ukraine gebe es ein Netzwerk von Bio-Laboren, die im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums arbeiteten. Internationale Faktenchecker haben diese Behauptung allerdings längst entkräftet. Auch die UN sagten, sie wüssten nichts über angeblich in der Ukraine produzierte Massenvernichtungswaffen.

Die Vereinigten Staaten sehen die russischen Behauptungen als "Propaganda" und möglichen Vorwand, selbst Massenvernichtungswaffen im Ukraine-Krieg einzusetzen. "Russland hat diese neuen falschen Behauptungen aufgestellt. Wir haben gesehen, dass China diese Propaganda unterstützt hat. Und deshalb sollten wir Ausschau halten, ob Russland möglicherweise chemische oder biologische Waffen in der Ukraine einsetzt oder eine Operation unter falscher Flagge startet", sagte der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Jeffrey Prescott.

Selenskyj weist russische Vorwürfe ebenfalls zurück

Der ukrainische Präsident Selenskyj wies die Vorwürfe Russlands ebenso zurück. "Ich bin eine vernünftige Person. Der Präsident eines vernünftigen Landes und vernünftiger Leute. Ich bin der Vater zweier Kinder", sagte Selenskyj am Abend in seiner täglichen Videoansprache an das ukrainische Volk. "In meinem Land sind keine chemischen oder anderen Massenvernichtungswaffen entwickelt worden. Die ganze Welt weiß das."

Dass eine solche Anschuldigung aus Moskau komme, bereite ihm Sorgen, sagte Selenskyj. "Denn wir sind oft davon überzeugt worden, dass wenn man Russlands Pläne kennen will, es die sind, die Russland anderen vorwirft."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. März 2022 um 09:00 Uhr.