Ein Gebäude auf einem militärischen Gelände nahe der russischen Stadt Njonoksa. | Bildquelle: AFP

Russische Medienberichte Anwohner sollen Dorf Njonoksa verlassen

Stand: 13.08.2019 16:52 Uhr

Russische Behörden sollen die Bewohner des Dorfes Njonoksa aufgefordert haben, den Ort vorerst zu verlassen. Ob ein Zusammenhang mit einem Unfall bei einem Raketentest vergangene Woche besteht, ist unklar.

Mehrere Tage nach dem missglückten Test eines Raketentriebwerks in der nordrussischen Oblast Archangelsk wurden die Bewohner des Dorfes Njonoksa aufgefordert, den Ort zu verlassen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die russische Agentur Tass berichtete, hätten örtliche Behörden die Anwohner schriftlich dazu aufgefordert.

Begründet wurde der Schritt laut Tass mit erforderlichen Maßnahmen des Militärs. Die Behörden der Region Archangelsk dementierten Berichten des Medienunternehmens RBK zufolge, dass es sich um eine Evakuierung des Ortes handele.

RBK zitierte mehrere Anwohner aus Njonoksa: Die Aufforderung, den Ort zu verlassen, gilt demnach für Mittwoch zwischen fünf und sieben Uhr. Eine solche Maßnahme sei bei Raketentests üblich und habe nichts mit dem Unfall am vergangenen Donnerstag zu tun.

Die Rakete war nahe Njonoksa auf einer schwimmenden Plattform am Weißen Meer getestet worden. Dabei kam es zu einer Explosion. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Das russische Verteidigungsministerium betonte nach dem Unfall zunächst, dass keine Schadstoffe ausgetreten seien.

Normaler Wert um das 16-fache überschritten

Erst heute gab der russische Wetterdienst Rosgidromet bekannt, dass am Unfalltag zeitweise eine erhöhte radioaktive Strahlung in der Gegend um Sewerodwinsk gemessen worden sei. Der natürliche Wert von 0,11 Mikrosievert pro Stunde sei um das 16-fache überschritten worden. Innerhalb von zwei Stunden sei ein Wert von bis zu 1,78 Mikrosievert pro Stunden gemessen worden. Die Werte seien aber noch am selben Tag in den Normalbereich gesunken.

Die Umweltorganisation Greenpeace sprach sogar von einer 20-fachen Überschreitung des natürlichen Niveaus. Laut der Weltgesundheitsbehörde WHO steigt das Krebsrisiko jedoch erst ab einem Wert von 50.000 Mikrosievert.

Die Stadtverwaltung von Sewerodwinsk hatte zuvor lediglich einen kurzzeitigen Anstieg der radioaktiven Strahlung eingeräumt.

Russische Behörden geben weitere Details über Raketentest preis
Sabine Stöhr, ARD Moskau
13.08.2019 18:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 13. August 2019 um 15:00 Uhr.

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