Russische Polizisten nehmen einen Teilnehmer einer nicht autorisierten Kundgebung gegen die russische Invasion in der Ukraine bei einer Demo in Moskau fest. | EPA

Proteste gegen Ukraine-Krieg Mehr als 4400 Festnahmen in Russland

Stand: 06.03.2022 22:23 Uhr

Bei Protesten gegen den Krieg in der Ukraine sind in Russland nach Angaben von Bürgerrechtlern mehr als 4400 Menschen festgenommen worden. In zahlreichen Städten war es zu Protesten gekommen - trotz angedrohter Strafen.

Bei neuen Anti-Kriegs-Demonstrationen sind in Russland nach Angaben der russischen Menschenrechtsorganisation OVD-Info mehr als 4400 Menschen festgenommen worden. 2035 von ihnen seien in der Hauptstadt Moskau festgesetzt worden, 1150 weitere in der Ostsee-Metropole Sankt Petersburg, teilte die Organisation mit. Insgesamt habe in mehr als 60 russischen Städten Proteste gegen den Krieg in der Ukraine gegeben.

Das Innenministerium hatte zuvor von landesweit rund 5200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und mehr als 3500 Festnahmen bei den nicht genehmigten Kundgebungen gesprochen. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur TASS gab es 1700 Festnahmen in Moskau; in Sankt Petersburg wurden 750 Personen festgenommen.

13.000 Festnahmen seit Kriegsbeginn

Die Organisation OVD-Info beobachtet Demonstrationen in Russland, veröffentlicht via Internet Angaben zu Festnahmen bei Massenprotesten und unterstützt bei Festnahmen Betroffene mit Informationen und rechtlichem Beistand. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war nicht möglich. Insgesamt sollen den Angaben zufolge seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vor anderthalb Wochen etwa 13.000 Menschen bei den kremlkritischen Protesten in Russland festgenommen worden sein.

Das Innenministerium hatte zuvor gewarnt, dass alle ungenehmigten Proteste aufgelöst und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

"Nein zum Krieg!"

In Moskau verunglückte am Nachmittag Behördenangaben zufolge ein Gefangenentransporter, in dem 24 festgenommene Demonstranten und fünf Polizisten saßen. Neun Menschen seien verletzt worden, hieß es - darunter sechs Zivilisten. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten ein zerstörtes Fahrzeug. Wie es zu dem Unfall kam, war zunächst unklar.

Zu den Protesten gegen den Krieg in der Ukraine hat der inhaftierte Kritiker der russischen Regierung, Alexej Nawalny, aufgerufen. Nawalnys Team veröffentlichte auf YouTube Videos von den Protesten - darunter eines von einer Gruppe älterer Frauen, die "Nein zum Krieg!" rufen.

Solche Demonstrationen sind in Russland untersagt. Seit dem Beginn der russischen Militäroperationen in der Ukraine am 24. Februar wurden laut OVD-Info knapp 10.000 Demonstranten festgenommen.