Sitz der OPCW in Den Haag  | Bildquelle: Lex van Lieshout/EPA-EFE/REX/Shu

Hackerattacke auf OPCW Waren weitere Angriffe geplant?

Stand: 04.10.2018 16:05 Uhr

Die Niederlande haben offenbar einen Cyberangriff auf die OPCW in letzter Minute vereitelt. Die vier beschuldigten Russen sollen zudem weitere Attacken geplant haben.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Die vier mutmaßlichen Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes GRU waren bereits im April in Den Haag festgenommen worden. Sie hätten versucht, das Netzwerk der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) mit einem Virus zu infizieren, erklärte der Chef des niederländischen Militärgeheimdienstes, Onno Eichelsheim.

Der Hackerangriff sollte aus einem mit Laptops, Smartphones und Antennen ausgestatteten Mietwagen in der Nähe der OPCW-Zentrale erfolgen, so Eichelsheim auf einer Pressekonferenz: "Weil die Männer gerade dabei waren, die Technik in dem Auto zu aktivieren, bestand eine direkte Gefahr für das Kommunikationsnetzwerk der OPCW. Deshalb haben wir beschlossen, die Geheimdienstoperation zu stören und die vier Herren außer Landes zu begleiten."

Ank Bijleveld (mitte), Onno Eichelsheim (links), und Peter Wilson(rechts) bei der Pressekonferenz in Den Haag | Bildquelle: REUTERS
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Eichelsheim, Bijleveld und Wilson erklärten den Ablauf des mutmaßlichen Cyberangriffs.

Mit Diplomatenpässen eingereist

Laut den Ermittlungen waren die vier mutmaßlichen Spione zuvor mit Diplomatenpässen aus Moskau angereist und von einem Mitarbeiter der russischen Botschaft am Amsterdamer Flughafen abgeholt worden.

Warum sie es auf die OPCW abgesehen hatten, liegt für Peter Wilson, den britischen Botschafter in Den Haag auf der Hand: "Zu der Zeit im April hat die OPCW als unabhängige Organisation die britischen Analyseergebnisse zur Vergiftung der Skripals in Salisbury überprüft." Damals hatten die Chemiewaffenexperten die britischen Befunde bestätigt, wonach der Ex-Spion Skripal und dessen Tochter mit dem russischen Nervengift Nowitschok in Berührung gekommen waren.

Weitere Attacken geplant?

Bei dem Zugriff in Den Haag konnten die Ermittler Laptops der Verdächtigen beschlagnahmen und durchleuchten. Die gefundenen Daten und Fotos ließen den Schluss zu, dass der russische Geheimdienst weitere Cyberattacken geplant habe, erklärte die niederländische Verteidigungsminister Ank Bijleveld.

In Malaysia sollten demnach die Ermittlungen zum Absturz der MH17 Passagiermaschine in der Ukraine behindert worden. Und auch die Anti-Dopingbehörde WADA hätte das Ziel eines Angriffs werden sollen. Die niederländische Regierung, so Bijleveld, habe nach diesen jüngsten Erkenntnissen den russischen Botschafter einbestellt. "Indem wir hiermit an die Öffentlichkeit gehen, was wir nur selten machen, senden wir ein klares Signal: Russland muss hiermit aufhören." Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief Russland dazu auf, sein "rücksichtsloses Verhalten" zu stoppen. Die warf der russischen Regierung "aggressive Akte" vor.

Moskau bestreitet Vorwürfe

Eine Regierungssprecherin in Moskau hingegen tat die jüngsten Enthüllungen als Märchen ab. Russland habe mit den Angriffen nichts zu tun. Die ebenfalls in die Ermittlungen miteinbezogene US-Regierung sieht das anders. Sie will bald mehrere Anklagen gegen russische Verdächtige veröffentlichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2018 um 16:00 Uhr.

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