Das Hauptquartier der NATO in Brüssel.  | dpa

Streit zwischen NATO und Russland Gefährliches Schweigen

Stand: 01.11.2021 18:57 Uhr

Der NATO-Russland-Rat liegt schon lange auf Eis - nun wurde auch der letzte formale Kontakt abgebrochen: Russland hat seine Vertretung beim Hauptquartier der Allianz geschlossen, die NATO-Büros in Moskau sind verwaist.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Kontakte abgebrochen - und das in einer Zeit, in der die Spannungen zunehmen. Das russische Fernsehen ließ heute Bilder sprechen. Die Büros der NATO in Moskau sind verwaist. Die großen Türschilder wurden mit weißem Klebeband unkenntlich gemacht.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Man wisse nicht, was die Allianz nun tun werde, erklärte Russlands Außenminister Sergej Lawrow. "Wir stützen uns auf Fakten. Und die Fakten besagen, dass die NATO keine Zusammenarbeit mit uns will."

Gefahr einer Eskalation steigt

Einer der wichtigsten Gesprächskanäle, der NATO-Russland-Rat, liegt schon lange weitgehend auf Eis. Mit dem heutigen Tag hat zudem die russische Vertretung beim NATO-Hauptquartier in Brüssel offiziell ihre Arbeit eingestellt. Es besteht faktisch kein direkter Kontakt mehr auf diplomatischer Ebene.

"Wenn die NATO einen Grund hat, sich an uns zu wenden, haben wir einen Botschafter in Belgien, der für bilaterale Beziehungen zuständig ist", sagte Lawrow. Russland habe die NATO benachrichtigt, dass im Fall der Fälle Signale an diese Diplomaten gesendet werden können.

Es ist eine gefährliche Entwicklung. Denn mit jedem Kontakt, der verloren geht, steigt auch die Gefahr einer unbeabsichtigten Eskalation. In den vergangenen Wochen waren sich Schiffe und Flugzeuge Russlands und der Allianz mehrfach gefährlich nahe gekommen.

Öffentliches Bedauern

Gerade erst sei wieder ein US-Kriegsschiff ins Schwarze Meer eingefahren, warnte Russlands Präsident Wladimir Putin. Und es klang wie eine Drohung: "Wir können es mit einem Fernglas beobachten - oder durch das Fadenkreuz eines entsprechenden Verteidigungssystems."

Öffentlich bedauern beide Seiten den Abbruch der Beziehungen und beklagen, dass das Verhältnis schlechter sei als zu Zeiten des Kalten Krieges. Die Schuld dafür sieht man natürlich bei der jeweils anderen Seite.

Der Kreml sieht sich durch die neue NATO-Strategie zur Abschreckung Russlands in seiner Haltung bestärkt, dass es der Allianz nie um eine Zusammenarbeit gegangen sei. Auch wenn mitunter friedliche Töne angeschlagen worden seien, sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow: "Es ist ein aggressiver Block, der uns als Gegner betrachtet."

Manöver im Schwarzen Meer

Kritik an der eigenen Rolle weist Moskau kategorisch von sich. Egal, ob es um neue Raketen- und Waffensysteme geht, die die NATO für gefährlich hält, oder um Truppenkonzentrationen und Manöver entlang der NATO-Grenzen und im Schwarzen Meer. Man reagiere nur, ließ Russlands Verteidigungsminister Sergej Schojgu wissen. Deshalb sei nun auch eine neue Militärdoktrin in Arbeit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. November 2021 um 23:47 Uhr.