Wladimir Putin bei der Siegesparade in Moskau | REUTERS

Militärparade in Moskau Putin rühmt Verdienste der Sowjetarmee

Stand: 24.06.2020 11:41 Uhr

Trotz der Corona-Krise hat der Kreml mit Pomp den 75. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland gefeiert. Präsident Putin hob auf der Militärparade die Verdienste der Sowjetarmee hervor. Die Feier ist auch Werbung für den Kremlchef.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Weltgemeinschaft aufgerufen, die Verdienste der Sowjetarmee bei der Befreiung vom Hitler-Faschismus niemals zu vergessen.

"Es ist nicht möglich, sich vorzustellen, was mit der Welt passiert wäre, wenn die Rote Armee sie nicht verteidigt hätte", sagte der Kremlchef auf dem Roten Platz in Moskau. Er nahm die größte Militärparade der russischen Geschichte ab. Mehr als 13.000 Soldaten marschierten in Moskau in Paradeuniform bei Bilderbuch-Wetter auf dem Roten Platz auf.

Angebot an internationale Gemeinschaft

Anlass ist der 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland. "Das Volk der Sowjetunion hat einen nicht wieder gutzumachenden Preis für die Freiheit Europas gezahlt", sagte Putin. Die Menschen der Sowjetunion hätten die Hauptlast getragen. 27 Millionen Todesopfer zählte das Land im Zweiten Weltkrieg.

Das sei die "Wahrheit über den Krieg", die nie vergessen werden dürfe. Deutschland habe mit seinem Überfall auf die Sowjetunion 1941 mehr als 80 Prozent seiner Streitkräfte gegen das Land gerichtet. Diese "unerbittliche Armada" und "das totale Böse" seien aber am Widerstand des sowjetischen Volkes zerbrochen, sagte Putin. Zugleich bot er der internationalen Gemeinschaft einmal mehr an, an einem System für die weltweite Sicherheit zu arbeiten.

Kanzlerin lässt sich vertreten

Die Waffenschau mit Panzern, Raketen und Flugzeugen war wegen der Corona-Pandemie auf den 24. Juni verlegt worden. An diesem Tag gab es vor 75 Jahren die erste Siegesparade auf dem Roten Platz.

Als Gäste angekündigt hatten sich unter anderem Präsident Alexander Lukaschenko aus Belarus. Die deutsche Kanzlerin wird vom Botschafter vertreten. Die teilnehmenden, meist schon über 90-jährigen Veteranen waren zuvor in Quarantäne.

"Erst als wir das Gefühl hatten, dass sich die Epidemie in Moskau zurückzieht und zurückziehen würde, haben wir uns dafür entschieden, dass es eine Siegesparade und eine Verfassungsabstimmung gibt", beruhigte Vize-Premierministerin Tatjana Golikowa schon im Vorfeld.

Zwei weitere Amtszeiten für Putin?

Laut der aktuellen Umfrage einer unabhängigen Gruppe von Soziologen schauen etwa Dreiviertel der russischen Bevölkerung kritisch auf die Parade. Denn vor dem Hintergrund, dass in Corona-Zeiten zum Beispiel viele Kleinunternehmer in Russland für Essen anstehen müssen, sehen viele die Ausgaben nicht gerechtfertigt.

Aus Sicht der Führung sind sie aber wohl gut angelegtes Geld für Prunk und Pathos, mit denen Stolz und Werte des Landes nach vorne gekehrt werden sollen - und die Rolle von Präsident Putin darin als Garant für Stabilität und Sicherheit. So kann die morgen beginnende Abstimmung für die geplanten Verfassungsänderungen im richtigen Licht erscheinen: Gehen die Änderungen durch, sichern sie Putin zwei weitere Amtszeiten.

Mit Informationen von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24. Juni 2020 um 08:11 Uhr.