Russland schmiedet große Nachrichtenagentur Ein neues Sprachrohr für den Kreml

Stand: 28.11.2018 14:55 Uhr

Mit einer neuen großen Nachrichtenagentur will Kremlchef Wladimir Putin künftig international das Meinungsbild über Russland prägen lassen. Staatsmedien wie die Agentur Ria Nowosti und der Rundfunksender Golos Rossii (Stimme Russlands) würden künftig unter dem Namen "Internationale Nachrichtenagentur Rossija Segodnja" (Russland heute) firmieren, heißt es in einem Erlass.

Redaktionsgebäude von Ria Novosti in Moskau
galerie

Soll Russland noch besser im Ausland darstellen: die bisherige Nachrichtenagentur Ria Nowosti

Ria Nowosti zählt neben Itar-Tass und Interfax zu den führenden Nachrichtenagenturen des Landes und gehört einer staatlichen Holding an. Golos Rossii ist der Auslandssender des Landes. Wie das Internetportal gazeta.ru schreibt, hatte es schon seit gut einem Jahr Gerüchte über die Zusammenlegung von Ria Nowosti mit anderen staatlich kontrollierten Medienangeboten gegeben. Eine Entscheidung sei aber lange nicht gefallen, weil die staatlichen Medien unterschiedlichen Personen im Kreml nahestünden, die in Konkurrenz zueinander stünden und ihren Einfluss ausdehnen wollten. Welche Kräfte sich nun durchgesetzt haben, ist noch unklar.

Ein alter Bekannter wird Generaldirektor

Generaldirektor der neuen Staatsholding soll der wegen seiner offen antiwestlichen und konservativen Agitation umstrittene Journalist Dimitri Kisseljow. Wie der frühere KGB-Offizier Putin hat auch Kisseljow in den 1970er-Jahren die Leningrader Staatliche Universität im heutigen St. Petersburg absolviert.

Dimitri Kisseljow
galerie

Dimitri Kisseljow verehrt Putin - und Stalin.

Der kremltreue Journalist verglich Putins Politik mit der des Sowjet-Diktators Josef Stalin. "Von der Größe seines Schaffens her ist der Politiker Putin unter seinen Vorgängern des 20. Jahrhunderts nur vergleichbar mit Stalin", hatte Kisseljow in einer Sendung zu Putins 60. Geburtstag 2012 gesagt.

Keine Scheu vor kräftigen Bildern

Während Zyperns Finanzkrise verglich er die Politik von Kanzlerin Angela Merkel mit der Enteignung der Juden durch die Faschisten unter Adolf Hitler. Im August erklärte er in einer Sendung, dass die Organe von Homosexuellen seiner Ansicht nach nicht für Transplantationen geeignet seien und deswegen verbrannt werden sollten.

Bemerkenswert an der Reorganisation ist, dass sie wenige Monate vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi beginnen soll und auf drei Monate angelegt ist.

Darstellung: