Vorbereitungen zur Corona-Impfung in Moskauer Krankenstation | AFP

"Sputnik V" gegen Corona-Pandemie Moskau impft - zu früh?

Stand: 05.12.2020 12:01 Uhr

Auch wenn die Tests mit dem russischen Corona-Impfstoff "Sputnik V" noch nicht ausgewertet sind, startet Moskau die Massenimpfung. 5000 Menschen haben sich gemeldet. Laut Umfragen überwiegt jedoch die Skepsis.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau, zzt. Köln

Nach den ersten fünf Stunden hatten sich am Freitag in Moskau bereits 5000 Personen für die Corona-Schutzimpfung registrieren lassen. Bürgermeister Sergej Sobjanin konstatierte zufrieden, dass damit die groß angelegte Impfaktion gestartet worden sei, die in den kommenden Tagen auch in ganz Russland beginnen soll.

Stephan Laack

Zunächst ist der Kreis der Personen, die sich freiwillig und kostenlos mit dem Impfstoff "Sputnik V" impfen lassen können, begrenzt. Das hatte Präsident Wladimir Putin am Mittwoch angekündigt - die stellvertretende Bürgermeisterin Anastassija Rakowa konkretisierte es für die russische Hauptstadt: "Zunächst bekommen bestimmte Risikogruppen diese Möglichkeit. Wer zählt dazu? Diejenigen Moskauer, die mit vielen Menschen bei der Arbeit zu tun haben", berichtet sie.

Zuallererst würden Angestellte aus dem Bildungs- und Medizinbereich sowie Sozialarbeiter geimpft. Aber auch Mitarbeiter aus anderen Branchen hätten ein Recht auf die Impfung:

Reinigungspersonal, Pflegepersonal und Administratoren. Sie riskieren genauso viel wie Ärzte und Lehrer, weil sie auch mit einer großen Anzahl von Menschen zusammenarbeiten.

Wie Russland die Impfungen organisiert

Über eine Internetseite können sich Interessierte aus diesen Gruppen einen Termin für die Impfung besorgen - maximal zwei Wochen im Voraus. Notwendig dafür ist eine Anmeldung bei einer der 70 Kliniken in Moskau, in denen sich die Impfzentren befinden. "Die Öffnungszeiten sind von acht bis 20 Uhr, auch Samstags und Sonntags. Um sich für die erste Impfung anzumelden, müssen Sie sich nur elektronisch registrieren lassen", erklärt Rakowa.

Das medizinische Personal wird Sie zur zweiten Impfung selbst einladen. Sie müssen eine Bestätigung von Ihrem Arbeitsplatz bei sich haben, die belegt dass Sie in einer Organisation arbeiten, deren Beschäftigte zur genannten Risikogruppe gehören.

Die Impfung nimmt etwa eine Stunde in Anspruch. Schließlich wird der Impfstoff "Sputnik V", der bei -18 Grad Celsius gelagert wird, erst unmittelbar vor der Injektion aufgetaut. Und die geimpften Personen werden noch eine halbe Stunde beobachtet.

Vorbereitungen zur Corona-Impfung in Moskauer Krankenstation | AFP

Vorbereitungen zur Corona-Impfung in Moskauer Krankenstation Bild: AFP

Impfen? "Werde noch einige Monate abwarten"

Viele Moskauer sind jedoch unsicher, ob sie mit zu den ersten gehören wollen, die sich mit "Sputnik V" impfen lassen: "Im Sommer habe ich erfahren, dass wir einen Impfstoff entwickelt haben. Und ich dachte sofort: Toll. Sobald es mehr Infos dazu gibt, stabile Resultate, dann werde ich natürlich mich und meine Nächsten impfen lassen", berichtet der 26-jährige Alexander aus Moskau.

Aber im Moment gibt es einfach zu wenig Ergebnisse. Der Impfstoff befindet sich noch in der Testphase und deswegen werde ich noch einige Monate abwarten. Sobald es die Gewissheit gibt, dass die Impfung mehr oder weniger sicher ist, sollte man eine Entscheidung treffen, ob man sich impfen lässt oder nicht.

Wird Sputnik V zu früh eingesetzt?

Zwar liegt die Wirksamkeit laut Angaben des Entwicklers bei rund 95 Prozent. Sputnik V soll auch gut verträglich sein und kaum Nebenwirkungen haben. Aber Kritiker warnen, dass "Sputnik V" zu früh eingesetzt wird.

Erst im Januar wird aller Voraussicht nach die Auswertung der Testergebnisse vorliegen. Bis dahin gibt es keine absolut verlässlichen Angaben. Und so ist auch die Impfbereitschaft der Russen vorerst gering: nach unterschiedlichen Umfragen liegt sie zwischen 20 und 30 Prozent.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Dezember 2020 um 21:45 Uhr.