Ein Facharzt ruht auf einer Bank des Aleksandrovskaya-Krankenhauses, in St. Petersburg. | Bildquelle: REUTERS

Coronavirus in Russland Fast 500 Ärzte und Pfleger gestorben

Stand: 18.06.2020 16:16 Uhr

Präsident Putin will die Millitärparaden zum 75. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland nachholen - trotz hoher Infektionszahlen. Die WHO sieht das kritisch. Fast 500 Ärzte und Pfleger starben in Russland bisher an Covid-19.

Fast 500 Ärzte und Pflegekräfte sind in Russland bereits durch die Corona-Pandemie ums Leben gekommen. Das Land habe "unglücklicherweise" 489 Mitglieder des medizinischen Personals verloren, teilte die Chefin der russischen Medizin-Aufsichtsbehörde Roszdrawnadsor, Alla Samoilowa, nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit.

Damit ist die offizielle Opferzahl noch höher als laut einer von Ärzten geführten informellen Liste, nach der in Russland 444 Ärzte und Pflegekräfte durch das neuartige Coronavirus ums Leben gekommen sind. Ende Mai hatte das russische Gesundheitsministerium diese Opferzahl noch mit 101 angegeben.

Ärzte und Pflegekräfte in Russland hatten sich im April und Mai wiederholt darüber beklagt, dass es in den Krankenhäusern an Masken und anderer Schutzausrüstung fehle. "Heute erhalten wir fast keine solche Beschwerden mehr", versicherte Samoilowa.

WHO hält offizielle Statistik für realistisch

In Russland wurden nach Angaben der Behörden bislang 561.091 Corona-Infektionen sowie 7660 Corona-Todesopfer registriert. Kritiker werfen den russischen Behörden allerdings vor, die Zahlen wissentlich zu niedrig anzugeben. Die Behörden wiesen das zurück.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekräftigte, dass sie die russische Statistik für ein "realistisches Bild" halte, weil die Corona-Tests deutlich ausgeweitet worden seien. Elf Prozent der Bevölkerung seien mittlerweile getestet worden. WHO-Regionaldirektor Hans Kluge mahnte zugleich, auf einen Wiederanstieg der Infektionen vorbereitet zu sein.

Militärparaden trotz Ansteckungsrisiko

Die WHO warnte außerdem vor den Risiken, die mit Massenveranstaltungen verbunden sind. Hintergrund sind die russischen Militärparaden zum 75. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland, an denen die Regierung trotz der Corona-Pandemie festhalten will. Präsident Wladimir Putin hatte sie zunächst vom 9. Mai auf den 24. Juni verschoben.

Jede Massenveranstaltung berge das Risiko, dass sich das Virus weiter ausbreite, sagte WHO-Expertin Catherine Smallwood vom Regionalbüro Europa. Letztlich liege die Entscheidung aber in der Hand der lokalen Behörden und nicht bei der WHO, meinte sie.

Mehrere russische Städte und Regionen hatten die Paraden gestern aus Angst vor Ansteckungen bereits abgesagt - gegen den Willen des Kreml. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in 28 Städten würden dennoch Paraden stattfinden, unter anderem in Moskau.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2020 um 08:38 Uhr.

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