Swetlana Tichanowskaja bei einer Kundgebung | Bildquelle: AP

Belarusische Oppositionsführerin Russland fahndet nach Tichanowskaja

Stand: 07.10.2020 21:08 Uhr

Weil beide Länder einen Unionsstaat bilden, hat nach Belarus nun auch Russland die Oppositionelle Tichanowskaja auf die Fahndungsliste gesetzt. Wegen angeblicher Untergrabung der nationalen Sicherheit drohen ihr mehrere Jahre Haft.

Russland hat die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja nach Angaben der Agentur Tass zur Fahndung ausgeschrieben. Wie das Innenministerium in Moskau erklärte, steht die 38-Jährige auf der Fahndungsliste des Landes, weil sie "wegen einer strafrechtlichen Anklage gesucht" werde.

Die Nachrichtenagentur Ria Nowosti präzisierte, dass nach Tichanowskaja in Belarus wegen des "Aufrufs zu Handlungen, die die nationale Sicherheit untergraben", gefahndet werde - das kann dort mit drei bis fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Der Aufenthaltsort der 38-Jährige ist kein Geheimnis: Tichanowskaja lebt seit der offensichtlich manipulierten Präsidentenwahl in ihrer Heimat Belarus im Exil in Litauen. Wie Tass unter Berufung auf russische Sicherheitskreise schreibt, läuft gegen Tichanowskaja auch in ihrer Heimat Belarus eine Fahndung. Da Belarus und Russland einen Unionsstaat bilden, werde das Gesuch auch in Russland umgesetzt. Auf internationaler Ebene gelte die Ausschreibung aber nicht.

Tichanowskaja: "Wir möchten selbst unsere Zukunft bestimmen."

Tichanowskaja ist eine der wichtigsten Anführerinnen der Demokratiebewegung in der Ex-Sowjetrepublik. Bei der Wahl im August trat sie gegen Machthaber Alexander Lukaschenko an, der danach den Sieg mit mehr als 80 Prozent der Stimmen für sich reklamierte. Die Opposition sieht aber Tichanowskaja als eigentliche Siegerin. Seit der Wahl gibt es täglich Proteste gegen Lukaschenko und seinen Machtapparat.

Deutschland erkennt Lukaschenko wie andere EU-Staaten nicht als Staatschef an. Lukaschenko hat sich aber die Unterstützung vom Nachbarn Russland gesichert und sich mit Kremlchef Wladimir Putin getroffen. Moskau gewährte ihm einen Milliardenkredit. Tichanowskaja appellierte eindringlich an Putin, sich aus dem Machtkampf in ihrem Land herauszuhalten. "Mischen Sie sich nicht ein", sagte sie im Deutschlandfunk. "Wir möchten selbst unsere Zukunft bestimmen."

EU soll Lukaschenko auf Sanktionsliste setzen

Tichanowskaja hatte sich am Dienstag in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen. Sie bedankte sich für die politische Unterstützung. Merkel habe ihr viele Hinweise gegeben, wie Belarus aus der Krise herauskommen könne. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sprach sich für direkte Sanktionen gegen Lukaschenko aus. Der Präsident lehne inzwischen jeden Dialog ab, sagte Röttgen nach einem Auftritt Tichanowskajas im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags. Deshalb wäre es richtig, wenn die EU Lukaschenko nun auf ihre Sanktionsliste setze.

Belarusische Oppositionsführerin Tichanowskaja von Russland zur Fahndung ausgeschrieben
Stephan Laack, WDR
08.10.2020 07:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Oktober 2020 um 19:15 Uhr.

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