Ein Mann sitzt vor einem Computer. | Bildquelle: REUTERS

Cyberattacken Russischer Geheimdienst beschuldigt

Stand: 04.10.2018 16:23 Uhr

Auch der Bundestag soll Ziel gewesen sein: Großbritannien und andere Regierungen werfen dem russischen Geheimdienst GRU vor, hinter Cyberattacken zu stecken. Man prüfe weitere Sanktionen, heißt es aus London.

Britische, australische und niederländische Regierungsvertreter haben den russischen Geheimdienst GRU für eine Welle von Cyberangriffen verantwortlich gemacht. Der Militärgeheimdienst habe "wahllose und rücksichtslose" Attacken auf politische Institutionen, Unternehmen, Medien und Sportverbände verübt, teilte der britische Außenminister Jeremy Hunt mit. Er halte weitere Strafmaßnahmen gegen Russland für möglich. "Wir werden mit unseren Verbündeten diskutieren, welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden sollten", sagte Hunt.

britischer Außenminister Jeremy Hunt | Bildquelle: AFP
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Laut dem britischen Außenminister Jeremy Hunt hat der russische Geheimdienst "wahllose und rücksichtslose" Attacken verübt.

Das britische Zentrum für Cybersicherheit identifizierte Hacker hinter mehreren Angriffen als GRU-Mitarbeiter. Diese hätten unter anderem Attacken auf die Welt-Anti-Doping-Agentur, das ukrainische Transportsystem und die US-Präsidentschaftswahl von 2016 verübt.

Ähnlich äußerten sich der australische Premierminister Scott Morrison und seine Außenministerin Marise Payne. Die australischen Geheimdienste seien sich einig, dass der GRU für "dieses Muster bösartiger Cyberaktivitäten verantwortlich" sei. Australien sei zwar nicht wesentlich getroffen worden, entsprechende Angriffe schadeten aber der Wirtschaft und hätten die zivile Infrastruktur gestört.

Scott Morrison | Bildquelle: LUKAS COCH/EPA-EFE/REX/Shutterst
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Der australische Premierminister Scott Morrison sagt, dass der GRU für "dieses Muster bösartiger Cyberaktivitäten verantwortlich" sei.

Verantwortlich für Attacken in Deutschland?

Laut einer Liste des britischen National Cyber Security Center steht der russische Geheimdienst in Verbindung mit der Hackergruppe "APT 28", die für Attacken in Deutschland verantwortlich gemacht wird. Experten gingen bereits davon aus, die offizielle Anschuldigung aus London untermauert nun den Verdacht.

Bei dem Angriff auf den Bundestag im Jahr 2015 hatten sich die Täter so weitreichenden Zugang verschafft, dass die IT ausgetauscht werden musste. Cyberspione konnten dabei unter anderem erfolgreich das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium attackieren. Dabei sollen sie auch Daten erbeutet haben.

Rücksichtsloses Verhaltensmuster beenden

Auch die NATO veröffentlichte eine Mitteilung. Die NATO-Verbündeten stünden solidarisch hinter der Entscheidung der britischen und niederländischen Regierung, Russland wegen seiner Unterwanderungsversuche von internationalen Gesetzen und Institutionen anzuprangern, hieß es darin. Russland müsse seine rücksichtslosen Verhaltensmuster beenden, sagte der Generalsekretär des Militärbündnisses, Jens Stoltenberg.

Gavin Williamson | Bildquelle: AFP
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Der britische Verteidigungsminster Gavin Williamson sagte, die Angriffe seien die Handlungen eines Außenseiters.

Bei Gesprächen zur Cybersicherheit sagte der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson in Brüssel, Großbritannien und seine NATO-Verbündeten würden in Zukunft Fälle aufdecken, in denen Russland "willkürlich und rücksichtslos" agiere, wie im Fall der Cyberattacken. Die Angriffe seien nicht die Handlungen einer Großmacht, sondern die eines Außenseiters, sagte Williamson.

Beratungen über Cyberattacken bei NATO-Treffen
tagesschau 20:00 Uhr, 04.10.2018, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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USA stellen Fähigkeiten im Cyberereich zur Verfügung

Britische Regierungsvertreter hatten den GRU bereits für den Nervengiftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter im Frühjahr dieses Jahres verantwortlich gemacht. Russland hat bestritten, dabei eine Rolle gespielt zu haben.

Unterdessen teilte die USA mit, der NATO für Missionen und Auslandseinsätze ihre Fähigkeiten zur Kriegsführung im Cyberbereich zur Verfügung zu stellen. Neben Großbritannien, Dänemark, den Niederlanden und Estland hätten die Vereinigten Staaten zugesagt, "nationale Cyber-Beiträge bereitzustellen, um der NATO zu helfen, in diesem wichtigen Bereich zu kämpfen", sagte US-Verteidigungsminister Jim Mattis beim Treffen mit seinen Bündniskollegen. Er verurteilte gleichzeitig die jüngsten, Russland zugeschriebenen Cyberattacken.

Russland streitet Anschuldigungen ab

Russland verwehrte sich gegen die Anschuldigungen aus Großbritannien und Australien. Sie seien "große Fantasien", sagte Maria Sacharowa, eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Die niederländische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld beschuldigte den GRU, Cyberangriffe auf die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) und auf eine Untersuchung zum Absturz des Flugzeugs des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 versucht zu haben. Die Behörden hätten den Hackerangriff auf die OPCW im April gestört, sagte Ministerin Bijleveld.

Maria Sacharowa | Bildquelle: MAXIM SHIPENKOV/EPA-EFE/REX/Shut
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Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete die Anschuldigungen als "große Fantasien".

Die niederländische Regierung verurteilte das russische Vorgehen als "sehr besorgniserregend" und bestellte den russischen Botschafter ein. "Russland muss damit aufhören", forderte Bijleveld. Vier russische Geheimdienstler waren sofort im April ausgewiesen worden. Über den mutmaßlichen Angriff auf die MH17-Untersuchung sagte sie: "Wir sind uns des Interesses des russischen Geheimdienstes an dieser Untersuchung bewusst und haben entsprechende Maßnahmen ergriffen". Man sei diesbezüglich sehr wachsam, fügte sie hinzu.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Oktober 2018 um 16:00 Uhr.

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