In Moskau läuft ein Mann mit Einkaufstüte und Atemschutzmaske über den sonst leeren Roten Platz. | Bildquelle: AFP

Coronavirus in Russland Aus der arbeitsfreien Woche wird ein Monat

Stand: 02.04.2020 21:17 Uhr

Die Russen bekommen bis zum Ende des Monats quasi zwangsfrei: Mit der bezahlten, arbeitsfreien Zeit will sich das Land gegen die Ausbreitung des Coronavirus schützen. Noch sind die Fallzahlen niedrig.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich zum zweiten Mal in nur einer Woche an das Volk gewendet. Wie erwartet, hat er die arbeitsfreie Zeit noch einmal verlängert. Er kündigte zudem an, die Gouverneure in besonders betroffenen Gebieten mit zusätzlichen Kompetenzen auszustatten.

Kurz und knapp fiel sie aus, die Ansprache des Präsidenten. Mit Nachdruck dankte Putin Ärzten, Krankenschwestern und Helfern, die die Stellung hielten angesichts der herannahenden Pandemie. Er dankte aber auch all denen, die sich an die Regeln hielten und zu Hause blieben:

"Die landesweit angeordnete arbeitsfreie Woche und das Regime der Selbstisolierung, das mittlerweile in vielen Regionen gilt, haben es uns erlaubt, Zeit zu gewinnen - für Vorbeugungsmaßnahmen, für die Mobilisierung der Machtstrukturen und die Aufstockung der Ressourcen des Gesundheitssystems, um effizient gegen die Epidemie ankämpfen zu können."

"Die Gefahr ist noch nicht gebannt"

Die offiziellen Fallzahlen sind in Russland noch immer verhältnismäßig niedrig. Landesweit sind inzwischen mehr als 3500 Infizierte gelistet. 30 Menschen erlagen den Folgen einer Virus-Erkrankung.

Es müsse weiter alles dafür getan werden, um eine explosionsartige Verbreitung des Virus zu verhindern, so Putin weiter. Die Gefahr sei noch nicht gebannt, der Höhepunkt der Pandemie sei auch in Russland noch nicht erreicht.

Sonderrechte für Gouverneure

"Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, die arbeitsfreie Zeit zu verlängern", kündigte Putin an - bis zum Ende des Monats, inklusive dem 30. April. Eine Maßnahme, die für das ganze Land gilt, andere dagegen sollen vorläufig räumlich beschränkt bleiben. So sollen vorerst nur Gouverneure besonders betroffener Regionen Sonderrechte erhalten.

Die Gouverneure sollen laut Putin bis zum Ende der Woche ein komplettes Maßnahmenpaket vorlegen, "sowohl mit Blick auf die Gewährleistung der Gesundheit und Sicherheit der Bürger, als auch mit Blick auf die Stabilität der Wirtschaft und der wichtigsten Infrastruktur".

Ausgangssperren, wie sie bereits in der russischen Hauptstadt Moskau de facto verhängt wurden, und strikte Kontrollen, die angedacht sind, dürften damit legitimiert werden.

Gesundheit und Arbeitsplätze sichern

"Die Sicherheit und Gesundheit der Bürger Russlands", betonte Putin erneut, sei das entscheidende Kriterium. Wichtig sei es aber auch, gleichzeitig Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Darum würden sich die Regierung, die Regionen und die Unternehmen kümmern.

Der russische Präsident forderte die Bürger einmal mehr auf, den Regeln und Anweisungen Folge zu leisten. Wenn alle die Lage ernst nehmen würden, werde es gelingen, das Risiko zu senken.

Corona - Putin wendet sich ans Volk
Christina Nagel, ARD Moskau
02.04.2020 20:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 02. April 2020 um 22:20 Uhr.

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