"From Russia with Love" steht auf einem Transportfahrzeug, mit dem Russland Krisenhelfer und Ausrüstung nach Italien schickt. | Bildquelle: ALEXEI YERESHKO/RUSSIAN DEFENCE

Krisenhilfe für Italien Russland schickt Soldaten - und Liebe

Stand: 23.03.2020 17:46 Uhr

In Italien sind neun Flugzeuge aus Russland eingetroffen. An Bord: Ausrüstung und Fachleute, die das Coronavirus bekämpfen sollen. Die Militärvirologen sind nicht nur zum Helfen gekommen.

Von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Es war bereits Nacht in Italien, als die olivgrünen Lastwagen langsam aus den soeben gelandeten Flugzeugen rollten. Die Aufkleber aber waren deutlich zu erkennen: zwei Herzen, in den jeweiligen Nationalfarben Russlands und Italiens. Darüber die Botschaft "From Russia with Love." Aus Russland - mit Liebe.

Hilfslieferung an Italien auf einem Militärflughafen bei Moskau | Bildquelle: via REUTERS
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"Aus Russland - mit Liebe" ist das Motto der Hilfslieferung an Italien, die von einem Militärflughafen aus Moskau gestartet ist.

Desinfektionsmittel und Spezialisten

"Wir werden alles Mögliche tun, das Maximum. Wir werden so gut wir können im Kampf gegen die Infektion helfen", versprach der in Camouflage gekleidete Leiter der russischen Hilfsmission, General-Major Sergej Kikar, dem italienischen Außenminister Luigi di Maio, der gekommen war, um die Helfer aus Russland persönlich in Empfang zu nehmen.

Insgesamt neun Militärflugzeuge hat Moskau nach Italien geschickt, bestückt mit technischer Ausrüstung und Desinfektionsmitteln. Zudem etwa 100 Spezialisten, die das Land im Kampf gegen die Corona-Epidemie unterstützen sollen. Eine, wie Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow am Montagmorgen betonte, wichtige Geste.

Nach Telefonat mit Conte zog Putin die Mittel zusammen

Am Beispiel Italiens hat Russlands Präsident Wladimir Putin gezeigt, dass er die Dimension der internationalen Zusammenarbeit für sehr bedeutsam hält. Denn kein Land kann so eine Pandemie allein besiegen, betonte sein Sprecher Peskow. Die Bemühungen sollten deshalb vereinigt und gegenseitige Hilfe geleistet werden - "Denn wir alle sind in einem Boot und müssen alle zusammen auf diese Herausforderung reagieren."

Nach Kremlangaben sei es ein Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Conte gewesen, das Putin veranlasst hat, noch in der Nacht die für die Hilfsmission notwendigen Mittel und das Personal aus verschiedenen Teilen Russlands zusammenziehen zu lassen.

Mittel und Personal, die Russland aber bald schon selbst brauchen könnte. Denn auch hier breitet sich das Coronavirus zunehmend aus. Im russischen Staatsfernsehen erklärte ein Virologe, dass Russland bei den Infektionsraten möglicherweise nur 3 Wochen hinter Italien läge. 

Aktuell mehr als 400 bestätigte Infektionsfälle

"Der Sinn der Mission unserer Militärvirologen nach Italien, ist es, glaube ich, nicht nur zu helfen, sondern auch, zu lernen und mehr zu verstehen", sagte er. "Mir wäre es lieb, wenn sie möglichst schnell wieder zurück nach Hause kämen. Denn wenn der Trend so bleibt, und ich sehe keinen Grund, warum er in Russland anders sein sollte als in ganz Europa, so werden wir uns in einer bzw. zwei Wochen wesentlich mehr Mühe geben müssen."

Am Morgen wurden bereits die vorbeugenden Regeln für die Millionen-Metropole Moskau zum wiederholten Male verschärft. Ab Donnerstag dürfen Menschen über 65 und chronisch Kranke nur noch für dringende Einkäufe das Haus verlassen. Viele Institutionen sind bereits geschlossen.

Aktuell melden die russischen Gesundheitsbehörden 438 bestätigte Corona-Infektionsfälle. Auch wenn die Gesamtzahl vergleichsweise niedrig ist, wächst die Zahl der täglichen Neuinfektionen stetig. Zudem - auch das eine offizielle Zahl - stünden 165 Tausend Menschen unter medizinischer Beobachtung.

From Russia with Love - Hilfen für Italien und Appelle an internationalen Zusammenhalt
Martha Wilczynski, ARD Moskau
23.03.2020 17:22 Uhr

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