Eine Menschenmenge im Moskauer Sarjadje-Park in Sichtweite zum Kreml - nur wenige tragen Mundschutz. | AP

Sputnik V in Russland Vorteile im Alltag als Impfanreiz

Stand: 05.01.2021 16:05 Uhr

Seit einem Monat wird in Russland mit dem Vakzin Sputnik V geimpft. Um bis Jahresende 80 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren, wird diese mit Vorteilen im Alltag nach der Impfung gelockt.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Als eines der ersten Länder der Welt hatte Russland begonnen, mit einer breit angelegten Aktion seine Bevölkerung gegen Corona impfen zu lassen. Einen Monat ist das nun her - zuerst kamen Ärzte, medizinisches Personal und Lehrer dran. Sie können sich nach vorheriger Anmeldung über ein Internetportal mit dem russischen Vakzin Sputnik V gegen Corona impfen lassen.

Stephan Laack

Russlands Premier Michail Mischustin appellierte zum Jahreswechsel an seine Landsleute, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen: "Verschieben Sie die Impfung nach Möglichkeit nicht, um sich und Ihre Angehörigen zu schützen. Je mehr Menschen immun werden, desto schneller können wir die Ausbreitung des Coronavirus stoppen."

Denn noch sind die Infektionszahlen hoch. Sie lagen zu Wochenbeginn immer noch deutlich über 20.000 pro Tag - bei fast 500 Todesfällen. Auch wenn mittlerweile 800.000 Menschen landesweit geimpft und 1,5 Millionen Impfdosen verteilt wurden - für einen spürbaren Effekt ist es wohl noch zu früh und die Zahl der Geimpften zu gering.

Eine Menschenmenge auf dem Roten Platz in Moskau - kaum jemand trägt einen Mundschutz. | AFP

Eine Menschenmenge auf dem Roten Platz in Moskau - kaum jemand trägt einen Mundschutz. Bild: AFP

 Dritte Testphase an Sputnik V läuft noch

Dennoch ist die stellvertretende Ministerpräsidentin Tatjana Golikowa nicht unzufrieden. "Wir sehen bereits, dass wir die Impfstoffproduktion und anschließende Verteilung im Dezember erheblich steigern konnten", sagte sie Ende Dezember in einer vorläufigen Bilanz. "Wir werden mehr als eine Million Dosen des Impfstoffs für die zivile Bevölkerung zur Verfügung stellen, der im Dezember und im Januar erhältlich sein wird."

Der Kreis der Menschen, die sich impfen lassen können, wurde jetzt erweitert. Personen über 60 Jahre sowie Beschäftigte - unter anderem aus den Bereichen Transport, Energie, Handel und Kultur - haben jetzt auch die Möglichkeit dazu. Dass die dritte und entscheidende Testphase des Impfstoffes Sputnik V noch nicht beendet und ausgewertet wurde, spielt anscheinend keine Rolle mehr.

"Dies wird eine Realität, zu der wir kommen werden"

Die Ziele sind ehrgeizig: Bis Jahresende sollen 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft sein. Als Motivation für die bislang noch mäßige Impfbegeisterung der Russen könnte der Impfpass dienen, der mit Jahresbeginn eingeführt wurde: Er dürfte gewisse Vorteile bringen: "Natürlich wird es Flugreisen geben, für die man entweder einen negativen Test oder einen Impfpass vorweisen muss. Dies wird eine Art Realität, zu der wir kommen werden", sagt der Leiter des Fonds für Direktinvestitionen, Kirill Dmitrijew. "Es klingt jetzt etwas seltsam, aber ich denke, dass in einem Jahr niemand mehr groß Fragen stellen wird. Es ist doch Fakt, dass geimpfte Menschen ein viel geringeres Risiko mit sich tragen als Menschen, die möglicherweise infiziert sein könnten."

In Moskau gibt es bereits erste Vorteile: Geimpfte Rentner, chronisch Kranke und Studenten können wie zu der Zeit vor der Pandemie vergünstigt öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Doch davon abgesehen ist der öffentliche Druck, Corona-Maßnahmen zu lockern, schon jetzt relativ groß. Sankt Petersburg reagierte bereits: Trotz unverändert hoher Zahlen dürfen Bars und Restaurants nun wieder öffnen. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Januar 2021 um 11:31 Uhr.