Maria Butina spricht auf einer Kundgebung (Datum unbekannt) | Bildquelle: REUTERS

Moskau zum Fall Butina Eine Festnahme wider die Annäherung?

Stand: 24.07.2018 17:17 Uhr

Für US-Ermittler ist die Russin Maria Butina eine Spionin - deshalb sitzt sie in Untersuchungshaft. Die russische Regierung erzählt eine ganz andere Version und vermutet ein Komplott.

Von Martha Wilczynski , ARD-Studio Moskau

Waffen, Spionage, Sex. Aus westlicher Perspektive liest sich der Fall der Russin Maria Butina wie ein Agententhriller. Doch Moskau hat einen anderen Blick auf die Geschichte. Ein junges russisches Mädchen in den Fängen der US-Justiz - so lautet die Deutung in Russland.

Am Sonntag, vor gut einer Woche, war die 29-Jährige in Washington festgenommen worden. Der Vorwurf: Spionage und versuchte politische Einflussnahme. Laut den US-Ermittlern bestand Fluchtgefahr. Seither sitzt sie in Untersuchungshaft.

FBI-Überwachungsfoto von einem Treffen der mutmaßlichen russischen Spionin Butina mit einem russischen Geheimdienstler in einem Restaurant. | Bildquelle: REUTERS
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Das FBI überwachte Butina und veröffentlichte dieses Foto von einem angeblichen Treffen mit einem russischen Geheimdienstler.

Moskau kontert mit Gegenvorwürfen

Für die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sind die Vorwürfe gegen die russische Staatsbürgerin jedoch "an den Haaren herbeigezogen" und der Zeitpunkt des Zugriffs alles andere als ein Zufall:

"Es scheint, dass jemand mit einer Stoppuhr auf der Lauer gelegen und genau ausgerechnet hat, wann die Festnahme erfolgen soll - und zwar, um das Ergebnis des Gipfels zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump zu vereiteln. So gut war das Ganze getimt."

Das Echo in den Medien

Auch die russischen Medien greifen diese Sichtweise auf. Bei einer Diskussionsrunde im staatlich gelenkten TV-Kanal "Rossija 24" stellte Wjatscheslaw Matusow, Politologe und Berater der russischen Botschaft in den USA, kürzlich Vermutungen über die wahren Hintergründe der Spionage-Affäre an.

"Ich glaube, dass das alles mit innenpolitischen Prozessen in den USA verbunden ist. Ganz offensichtlich war der Plan der amerikanischen Anti-Trump-Kräfte, das Treffen mit Putin zu vereiteln. Dieser Fall ist eindeutig nach innen gerichtet und ist ein Mittel, um Trump daran zu hindern, seine Russlandpolitik umzusetzen."

Maria Butina
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Für eine russische Pro-Waffen-Organisation ließ sich Butina im James-Bond-Stil ablichten.

Was die USA Butina vorwerfen

Ist die Russin nur ein Opfer inneramerikanischer Rangkämpfe? In ihrem 29-seitigen Bericht beschreiben die US-Ermittler, wie Butina versucht haben soll, sowohl die US-Waffenlobby NRA zu infiltrieren als auch die Republikanische Partei.

Bevor sie mit einem Studentenvisum in die USA ging, war sie Vorsitzende des russischen Vereins "Recht auf Waffen". Dieser soll von der NRA mitfinanziert worden sein. Bei einem Fernsehauftritt im Jahr 2013 setzte sie sich energisch für neue Waffengesetze in Russland ein.

Fasziniert von Waffen

Auf ihren Social-Media-Kanälen posiert die junge Frau mal mit Schusswaffen, mal mit einflussreichen Männern. Bilder, die auch das russische Fernsehen gerne zeigt. Nicht aber, um die junge Russin zu verurteilen, sondern um sich für sie einzusetzen - ebenso wie die Politiker.

Am Wochenende forderte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Mike Pompeo die sofortige Freilassung Butinas und bezeichnete die Vorgehensweise gegen die russische Staatsbürgerin als "unzulässig".

Auf Twitter hat das russische Außenministerium sein Profilbild gegen ein Foto der 29-Jährigen eingetauscht und mit dem Hashtag #FreeMariaButina zu Solidarität mit der Verhafteten aufgerufen. Jedoch mit recht wenig Erfolg.

Dieser Beitrag lief am 24. Juli 2018 um 05:45 Uhr im Deutschlandfunk.

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