Abzug der russischen Truppen am 15. Februar 1989 | Bildquelle: AP

30 Jahre nach Afghanistan-Krieg "Gorbatschow hat uns verraten"

Stand: 15.02.2019 15:51 Uhr

1979 marschierte die Rote Armee in Afghanistan ein - zehn Jahre später musste sie sich nach großen Verlusten zurückziehen. Als Niederlage wollen vor allem russische Militärs den Krieg aber auch heute nicht sehen.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Der Abzug aus Afghanistan war alles andere als heldenhaft. Die sowjetischen Streitkräfte verließen nach zehn Jahren Kampf eher wie eine geschlagene Armee das Land am Hindukusch. Im sowjetischen Fernsehen wurde dies allerdings anders dargestellt.

"Sehr geehrte Genossen. Das Zentralkomitee der KPdSU begrüßt Euch herzlich. Ihr Söhne der sozialistischen Heimat. Ihr habt ehrlich und mutig eure patriotische Pflicht erfüllt. Auf Bitte der legitime Regierung habt ihr die Menschen in Afghanistan verteidigt".

Es war ein Stellvertreterkrieg, der dort geführt wurde. Verschiedene Mudschaheddin-Gruppen wurden von den USA mit Waffen ausgerüstet. Immer wieder waren Bilder zu sehen, auf denen die schweren russischen Panzer - im Gebirge feststeckend - mit Raketen aus amerikanischer Produktion abgeschossen wurden. Es war ein Guerillakrieg, den die Sowjetsoldaten nicht gewinnen konnten. In den offiziellen Nachrichten aber wurde der Abzug feierlich mit Musik begangen

Rückzug der russischen Armee aus Afghanistan vor 30 Jahren
tagesschau24 16:00 Uhr, 15.02.2019, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Dschihad gegen die Kommunisten

Die Rote Armee war im Dezember 1979 einmarschiert. Eine Einheit des KGB stürmte den Präsidentenpalast und ermordete Machthaber Hafizullah Amin. Babrak Karmal wurde als neuer Präsident eingesetzt. Die Folge: ein "Heiliger Krieg" gegen die Kommunisten. Die islamischen Gruppen erhielten Geld aus Saudi-Arabien und von den USA.

Abzug der russischen Truppen am 15. Februar 1989 | Bildquelle: Reuters
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Einer der letzten sowjetischen Panzer verlässt Afghanistan.

Mindestens eine Million Afghanen starben. Die Zahl der getöteten Sowjetsoldaten wird offiziell mit 14.000 angegeben. Inoffiziell waren es 50.000 Tote und 180.000 Verletzte.

Auch 30 Jahre später ist die Bewertung des Afghanistan-Krieges nicht einfach. "Aus militärischer Sicht kann man nicht von einer Niederlage sprechen. Die Soldaten haben erfolgreich terroristische Gruppen bekämpft. Es war eine rein politische Entscheidung. Gorbatschows Entscheidung, die Truppen abzuziehen, muss man im Kontext seiner Außenpolitik sehen", sagt der Historiker Jurij Niki Wolof.

Außenpolitisch isoliert

Und der Krieg war zu teuer geworden. Er verschlang Milliarden von Rubel. Außenpolitisch isolierte er zudem die UdSSR. Wie so oft in der russischen Geschichtsschreibung, werden Dinge im Nachhinein anders dargestellt.

"Es wurde alles getan, um unsere Armee und diesen Krieg zu dämonisieren, um den Krieg zu einem Verbrechen zu erklären. Wie kann es sein, dass die Armee kämpft während die Führung 'Ihr seid Mörder' schreit. Darin bestand die ganze Widerlichkeit der Regierung von Gorbatschow. Er hat alles verraten", so der Schriftsteller Alexander Prochnow.

Eine Position, die von den damaligen Veteranen des Afghanistan-Krieges und auch von heutigen Militärs gerne vertreten wird.

1989 hatte der Oberste Sowjet der UdSSR auf Drängen Gorbatschows den Einmarsch politisch und moralisch verurteilt. Die jetzige Duma aber hat dies in einem Entwurf anlässlich des Jahrestages strikt zurückgewiesen. Dort heißt es: "Der Einmarsch kam auf der Grundlage des Freundschaftsvertrages mit Afghanistan zustande. Im Sinne der Völkerverständigung."

"Gorbatschow hat uns verraten"
Hermann Krause, ARD Moskau
15.02.2019 10:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Februar 2019 um 15:00 Uhr.

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