Kriegsreporter und Autor

Russischer Journalist in Kiew erschossen

Stand: 30.05.2018 10:34 Uhr

Arkadi Babtschenko berichtete als Kriegsreporter unter anderem aus dem Kaukasus und arbeitete zeitweise für die kremlkritische "Nowaja Gaseta". Jetzt ist der Russe in Kiew erschossen worden. *

Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist in der ukrainischen Hauptstadt Kiew getötet worden. Unbekannte hätten den Reporter in einer Wohnung im Stadtviertel Dnipro erschossen, teilte eine Pressesprecherin der Polizei in Kiew mit. Seine Frau habe den Notruf verständigt und mitgeteilt, dass sie zu Hause ihren Ehemann blutüberströmt vorgefunden habe. Er sei seinen Verletzungen am Rücken auf dem Weg in die Klinik erlegen.

Babtschenko sei von einem Einkauf zurückgekehrt, berichtete der ukrainische Abgeordnete Anton Geraschtschenko. Der Täter habe ihm im Treppenhaus vor der Wohnung aufgelauert und ihn in den Rücken geschossen.

Die Hintergründe seines Todes sind unklar. Der Kiewer Polizeichef Andri Krischtschenko gab Babtschenkos "berufliche Tätigkeiten" als "erste und offensichtlichste Version" einer Erklärung an. Dieser hatte in seinen Artikeln die Annexion der Krim durch Russland und den Krieg in der Ostukraine kritisiert.

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Russischer Journalist in Kiew erschossen

tagesschau 12:00 Uhr, 30.05.2018, Demian von Osten, ARD Moskau

Der ukrainische Ministerpräsident Wladimir Groisman machte Moskau verantwortlich für den Mord. "Ich bin überzeugt, dass die russische totalitäre Maschinerie ihm seine Ehrlichkeit und Prinzipientreue nicht verziehen hat", schrieb Groisman auf Facebook. Es sei traurigerweise Mode geworden, nach solchen Vorfällen sofort Russland zu beschuldigen, wies der russische Außenminister Sergej Lawrow in Moskau die Anschuldigungen zurück. Das liege daran, dass sich die Ukraine "einer völligen Straffreiheit seitens ihrer westlichen Aufpasser" erfreue, unterstellte er.

Die Suche der ukrainischen Polizei nach dem Täter verlief bislang ergebnislos.

Babtschenko hatte Russland im Februar 2017 verlassen, nachdem er und seine Familie bedroht worden waren. Danach lebte er in Prag, Israel und seit August vergangenen Jahres in Kiew.

Babtschenko, hier auf einem Foto aus dem November 2017, berichtete aus vielen Kriegs- und Konfliktgebieten.

Der 41-jährige Babtschenko hatte in jungen Jahren im ersten und zweiten Tschetschenienkrieg in den Neunzigerjahren bei der russischen Armee gekämpft. Seine Erlebnisse verarbeitete er später in Büchern, die international Beachtung fanden und teils auch ins Deutsche übersetzt wurden - darunter die Titel "Die Farbe des Krieges" und "Ein guter Ort zum Sterben".

2008 war er im Kaukasuskrieg Russlands mit Georgien als Kriegskorrespondent in Südossetien aktiv. Bis 2012 arbeitete er seinem Facebook-Profil zufolge für die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta". Danach arbeitete er als freier Journalist, in der Ukraine unter anderem für den krimtatarischen Fernsehsender ATR.

Im Juni 2016 war in Kiew bereits einmal ein Journalist ermordet worden: Pawel Scheremet, der für die Online-Zeitung "Ukrainska Prawda" arbeitete, starb durch eine Autobombe.

Die Ermittler gaben damals als Motiv Scheremets Berichterstattung aus der Ukraine und anderen Ländern, darunter Russland, an. 2015 war der Publizist Oleg Busina in seinem Wohnhaus getötet worden. Die Hintergründe der Tat sind ungeklärt.

Die Staatsanwaltschaft Russlands kündigte in einer Mitteilung an, Ermittlungen im Fall Babtschenko aufzunehmen: Man werde die "grausamen Verbrechen gegen Bürger Russlands" nicht außer Acht lassen, heißt es mit Verweise darauf, dass nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren ein russischer Staatsbürger auf dem Gebiet der Ukraine getötet worden sei.

Moskau kritisiert Kiew derzeit verstärkt, weil die Ukraine den Vertreter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, Kirill Wyschinski, seit Mai in Untersuchungshaft hält. Die Ukraine stuft seine prorussische Berichterstattung als Landesverrat ein.

* Hinweis der Redaktion: Einen Tag nach dem vermeintlichen Attentat trat der russische Journalist Arkadi Babtschenko gemeinsam mit Vertretern des ukrainischen Geheimdienstes SBU in Kiew vor die Presse. Dabei wurde mitgeteilt, dass die Ermordung inszeniert worden sei, um ein geplantes Verbrechen gegen Babtschenko verhindern und aufklären zu können.