Der Chef im Fachbereich Biologie arbeitet geschützt im Sicherheitslabor | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

Agenten gefasst Wollte Russland Chemielabor ausspionieren?

Stand: 14.09.2018 11:52 Uhr

Angeblich wollten sie in ein Chemielabor eindringen, das offenbar auch Proben im Fall Skripal untersuchte: In den Niederlanden wurden laut Medienberichten zwei russische Spione gefasst und des Landes verwiesen.

Bereits im Frühjahr sind Medienberichten zufolge zwei mutmaßliche russische Spione in den Niederlanden festgenommen und in ihre Heimat zurückgeschickt worden. Der Schweizer "Tages-Anzeiger" und die niederländische Zeitung "NRC Handelsblad" berichten unter Berufung auf anonyme Quellen über den Fall. Die beiden Agenten werden verdächtigt, eine Spionageattacke auf das Schweizer Labor Spiez geplant zu haben. Der Zeitpunkt und die genaueren Umstände der Festnahme sind demnach nicht bekannt.

Das Labor Spiez untersteht dem Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz und zählt zu den wenigen ausgewählten Einrichtungen, die für die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) Analysen durchführen.

Diese Einrichtung untersuchte den Berichten zufolge nicht nur mutmaßliche Giftgasangriffe in Syrien, sondern auch die Vorwürfe gegen Moskau im Fall des Anfang März in England vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal.

Schweizer Geheimdienst ist Fall bekannt

Der Schweizer Nachrichtendienst des Bundes (NDB) bestätigte dem "Tages-Anzeiger", dass den Behörden "der Fall der in Den Haag entdeckten und dann weggeschafften russischen Spione bekannt ist". NDB-Kommunikationschefin Isabelle Graber schrieb den Angaben zufolge: "Der NDB hat aktiv an dieser Operation teilgenommen, zusammen mit seinen holländischen und britischen Partnern." Damit habe man zur "Verhinderung illegaler Aktionen gegen eine kritische Schweizer Infrastruktur" beigetragen.

Labor war auch Ziel von Hackerangriffen

Gemeint ist nach Recherchen der Zeitung das Labor Spiez. Der Kommunikationschef des Labors, Andreas Bucher, sagte, er könne die Informationen des NDB nicht kommentieren. "Bestätigen können wir, dass das Labor Spiez Ziel von Hackerangriffen war. Dafür sind wir gewappnet. Daten sind keine abgeflossen."

Im Juni war dem Bericht zufolge öffentlich geworden, dass eine gefälschte Einladung für eine Konferenz des Labor Spiez mit Schadsoftware verschickt worden war. Laut "NRC Handelsblad" hatten die beiden Spione Ausrüstung, um in das Computernetzwerk des Labors eindringen zu können.

In Den Haag, wo die Spione festgenommen wurden, befindet sich der Sitz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OCPW), das sich intensiv mit den Ereignissen in Syrien und Salisbury beschäftigte. Moskau hat bereits mehrfach alle Anschuldigungen zurückgewiesen, dass russische Spione für die Vergiftung von Skripal und seiner Tochter in Salisbury verantwortlich seien. Darüber hinaus streitet Russland ab, dass die syrische Armee Chemiewaffen eingesetzt hat. Moskau unterstützt in dem Bürgerkrieg die syrische Regierung.

Darstellung: