Fotos der in der Zentralafrikanischen Republik getöteten Journalisten Orhan Dschemal, Alexander Rastorgujew und Kirill Radtschenko. | Bildquelle: AFP

Zentralafrikanische Republik Russische Journalisten in Afrika getötet

Stand: 01.08.2018 14:42 Uhr

In der Zentralafrikanischen Republik sind drei Moskauer Journalisten getötet worden. Sie hatten über die Aktivitäten einer russischen Söldnertruppe in dem Bürgerkriegsland recherchiert.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Trauer über die ermordeten Journalisten in Russland, dazu viele Fragen, aber kaum verlässliche Antworten: Was genau ist den drei Filmemachern in der Zentralafrikanischen Republik zugestoßen, 6000 Kilometer von der Heimat entfernt? Wer sind die Täter? Und was war ihr Motiv?

Klar ist: Die drei Journalisten Orhan Dschemal, Alexander Rastorgujew und Kirill Radtschenko waren bekannt für ihre investigativen Recherchen. Oft ging es um Themen, die der russischen Regierung unbequem waren. Finanziert wurde ihre aktuelle Recherche-Reise von dem im Ausland lebenden Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski.

Ein bewaffneter Kämpfer der 3R-Miliz zeigt seine Waffe | Bildquelle: REUTERS
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In der Zentralafrikanischen Republik brach 2013 ein Bürgerkrieg zwischen Milizen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit aus. Durch französische Intervention und eine UN-Friedensmission stabilisierte sich die Lage.

"Wagner"-Gruppe offenbar im Land aktiv

Es ging um eine heikle Sache: den geheimen Einsatz von russischen Söldnern in der Zentralafrikanischen Republik. Kämpfer der so genannten "Wagner"-Gruppe koordinieren in dem Bürgerkriegsland vielen Indizien zufolge russische Waffenlieferungen und bilden dort örtliche Militärs aus.

Der Investigativ-Blogger Ruslan Lewijew berichtete dem Radiosender "Echo Moskvy" von seinen Erkenntnissen. "Wir sind nahezu sicher, dass die Wagner-Gruppe in der Zentralafrikanischen Republik aktiv ist", sagt er. "Ende des vergangenen Jahres haben wir in sozialen Netzwerken gesehen, dass Kämpfer für einen Afrika-Einsatz angeworben wurden. Später haben wir Informationen bekommen, dass russische Söldner in der Zentralafrikanischen Republik aufgetaucht sind."

Söldner statt reguläre Soldaten?

Kritiker beklagen, die russische Regierung schicke statt regulärer Soldaten private Söldner in gefährliche Einsätze - damit mögliche Opfer später nicht der russischen Armee zugerechnet würden. Zu dem mutmaßlichen Söldner-Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik hält sich die russische Regierung bedeckt. Offiziell darf Russland als einziger Staat Waffen an das afrikanische Land liefern. Die UN und einige EU-Länder bemühen sich dort mit Militärmissionen um eine Stabilisierung der Lage.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa
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Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sagte, Russland habe von den Recherchen der Journalisten nichts gewusst.

In diesem Umfeld also wollten die drei russischen Journalisten eine Dokumentation drehen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bestätigte den Tod der Russen, erklärte aber, nichts von den Recherchen der drei gewusst zu haben. "Laut unseren Unterlagen hatten die drei russischen Bürger Touristenvisa beantragt, keine Journalistenvisa", sagte sie. "Die russische Botschaft in der Zentralafrikanischen Republik und wir vom Außenministerium hatten keine Informationen über die Reise."

Chodorkowski äußerte sich entsetzt über den Tod der Journalisten. Er werde alles dafür tun, um die Schuldigen zu finden.

Russische Journalisten in Zentralafrikanischer Republik ermordet
Markus Sambale, ARD Moskau
01.08.2018 14:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2018 um 14:00 Uhr.

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