US-Verteidigungsminister Rumsfeld und Präsident Bush bei einer Pressekonferenz in Washington

Ex-US-Verteidigungsminister veröffentlicht Memoiren Rumsfeld schießt in alle Richtungen

Stand: 09.02.2011 10:53 Uhr

Vier Jahre nach seinem Ausscheiden rechnet Ex-US-Verteidigungsminister Rumsfeld in seinen Memoiren ab: Deutschland und Frankreich hätten mit ihrer Ablehnung den Irak-Krieg nur wahrscheinlicher werden lassen. Die Bush-Regierung sei ein Hort von Inkompetenz und Intrigantentum gewesen.

Klaus Kastan ARD-Studio Washington

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington

In einem ist sich Donald Rumsfeld, der frühere Verteidigungsminister, treu geblieben: In seinen jetzt veröffentlichten Memoiren äußert er sich verächtlich gegenüber allen Seiten. Schlecht kommen in seinen Erinnerungen vor allem die europäischen Verbündeten Deutschland und Frankreich weg.

Er wirft Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Jacques Chirac vor, sie hätten mit ihrer strikten Ablehnung des Irak-Krieges Saddam Hussein ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt und dadurch den Diktator in Bagdad in seiner starren Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten eher bestärkt. Dadurch sei der Krieg sogar wahrscheinlicher geworden.

Geheimdienste lagen falsch

Rumsfeld macht in seinem Buch klar, dass der militärische Einmarsch in den Irak aus seiner Sicht gerechtfertigt war, weil die Welt ohne Saddam Hussein sicherer geworden sei. Allerdings räumt er auch ein, dass die Begründung des Krieges aus heutiger Sicht nicht mehr zu halten sei. Massenvernichtungs- und chemische Waffen habe es im Irak nicht gegeben, das bestätigte er auch in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC: "Mit dieser Einschätzung lagen unsere Geheimdienste sicherlich falsch. Aber wir waren alle überzeugt davon. Unsere Soldaten haben besondere Schutzanzüge angezogen, um sich vor chemischen Waffen zu schützen. Und die Nachbarn des Iraks haben uns gesagt: Stellt Euch darauf ein, wenn Ihr in die Nähe Bagdads kommt, werden  sie chemische Waffen gegen Eure Truppen einsetzen."

US-Verteidigungsminister Rumsfeld mit dem britischen Generalmajor Brimm in Basra

Ex-US-Verteidigungsminister Rumsfeld (li) 2003 in der irakischen Stadt Basra (Archiv)

Was wäre gewesen, wenn...

Zahlreiche Experten hatten seinerzeit den damaligen Verteidigungsminister Rumsfeld darüber informiert, dass der Irak nicht im Besitz solcher Waffen sei. Doch darauf geht der 78-Jährige in seinen Memoiren nicht ein. In dem Interview mit ABC fragt die Interviewerin, Diane Sawyer, ob man auch gegen Hussein in den Krieg gezogen wäre, wenn man gewusst hätte, dass der Irak über keine Massenvernichtungswaffen verfügen würde. Rumsfeld windet sich: Er wisse nicht, wie man sich damals verhalten hätte, gibt Rumsfeld zu erkennen.

Wettern gegen Bush-Regierung

Bei anderen Themen gibt er sich in seinem Buch und in dem Interview nicht so zimperlich. Immerhin bedauert er die Misshandlung irakischer Gefangener durch US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib, die durch Fotos aufgedeckt wurden. "Damals hätte ich zurücktreten müssen", schreibt er in seinem Buch selbstkritisch. Doch Präsident Bush habe ihn nicht gehen lassen. 

Über Bush selbst äußert sich Rumsfeld nicht direkt negativ, allerdings kritisiert er scharf die Regierung des Präsidenten, der er selbst bis 2006 angehört hatte: Sie sei ein Hort von Inkompetenz und Intrigantentum gewesen, schreibt er – sich selbst nimmt er von diesen Vorwürfen natürlich aus. Besonders harsch äußert sich Rumsfeld über die einstige Sicherheitsberaterin und spätere Außenministerin Condoleezza Rice. Sie sei maßlos überfordert gewesen, schreibt er. Und ergänzend hierzu meinte er in dem Interview mit dem Fernsehsender ABC: "Man hat gemerkt, dass Rice zuvor noch nie in leitender Regierungsfunktion gearbeitet hatte, sie ist halt eine Akademikerin", meinte Rumsfeld spöttisch über seine einstige Kollegin im Kabinett. 

US-Verteidigungsminister Rumsfeld und Präsident Bush bei einer Pressekonferenz in Washington

Ex-US-Verteidigungsminister Rumsfeld und Ex-Präsident Bush bei einer Pressekonferenz 2006 in Washington (Archiv).

"Powell distanzierte sich nie intern vom Krieg"

Ähnlich respektlos äußert sich der heutige Rentner über Colin Powell, der bis 2004 Außenminister war. Der frühere General hat sich längst vom Irak-Krieg distanziert. Rumsfeld hält Powell heute vor, dass er sich bei internen Sitzungen nie gegen den Krieg ausgesprochen habe. Die Betroffenen sehen das sicherlich anders, manche Kritiker werden dem 78-Jährigen im Zusammenhang mit seinem Buch Wissenslücken vorwerfen. Aber das passt schließlich ganz gut zum Titel der Rumsfeld-Erinnerungen, der da lautet: "Known and Unknown – Bekannt und Unbekannt".