Der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Archivbild).

Ex-US-Verteidigungsminister Rumsfeld ist tot Kriegstreiber oder Staatsmann?

Stand: 01.07.2021 04:16 Uhr

Der ehemalige US-Verteidigungsminister Rumsfeld ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er war eine treibende Kraft hinter den Kriegen in Afghanistan und im Irak und wurde viel kritisiert. Für viele aber war er ein echter Staatsmann.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Für die einen war Donald Rumsfeld einer der besten Verteidigungsminister der USA, für die anderen war er einfach nur ein Kriegstreiber. Als Chef des Pentagon unter George W. Bush war Rumsfeld maßgeblich für zwei Kriege mitverantwortlich: den Einmarsch der Amerikaner in Afghanistan - als Folge der Anschläge vom 11. September. Und 2003 die US-Invasion des Irak - mit dem Ziel, den irakischen Diktator Saddam Hussein zu stürzen.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Offiziell begründete die US-Regierung damals den Einmarsch mit dem Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen, die man jedoch nie fand. Noch Jahre später - 2016 - rechtfertigte Rumsfeld in der Stephen Colbert Late Show den Militäreinsatz.

Die Iraker haben chemische Waffen gegen ihre Nachbarn, die Iraner, eingesetzt und gegen ihre eigene Bevölkerung, die Kurden. Deswegen schien es so, als habe Präsident Bush auf Basis der vorhandenen Geheimdienstinformationen die richtige Entscheidung getroffen. Im Rückblick haben wir keine großen Mengen an chemischen oder biologischen Waffen gefunden.

Deutsche Vorfahren

Rumsfeld stammte aus dem Mittleren Westen, aus Chicago. Sein Urgroßvater -Johann Heinrich Rumsfeld - war in den 1870igern aus Niedersachsen in die USA eingewandert. Nach einigen Jahren bei der US Navy kommt Rumsfeld mit 25 nach Washington, mit 30 wird er in den Kongress gewählt.

Unter Präsident Gerald Ford wird er bereits 1975 zum Verteidigungsminister ernannt - als jüngster Pentagon-Chef in der Geschichte der USA. Später wechselte er in die Privatwirtschaft, bis er schließlich 2001 von Bush erneut zum Verteidigungsminister berufen wird.

Kritik an Billigung von brutalen Verhörmethoden

Heftig kritisiert wurde Rumsfeld dafür, dass er Misshandlungen und brutale Verhörmethoden sowohl im Gefangenenlager Abu Ghoreib im Irak als auch in Guantanamo auf Kuba zuließ. In der Larry King-Talkshow 2006 nannte Rumsfeld Guantanamo ein interessantes Problem mit einem schlechten Ruf.

Es ist ein überaus gut geführtes, professionelles, menschenwürdiges Gefängnis. Die Gefangenen dort werden von unseren Soldaten in absolut angemessener und menschenwürdiger Art und Weise behandelt.

Auch menschlich war Rumsfeld umstritten. Mitarbeiter nannten seinen Umgangston rüde und oft selbstherrlich. Berühmt war der Republikaner für seine Wortklaubereien, mit denen er versuchte, seine Handlungen zu rechtfertigen. "Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen, und es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen", sagte er 2002 während einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

Als die Kriege in Afghanistan und im Irak immer mehr Opfer forderten, wurde Rumsfeld 2006 von George W. Bush gefeuert. Nach seinem Tod würdigte Bush seinen Verteidigungsminister als einen Mann "von Intelligenz, Integrität und fast unerschöpflicher Energie". Donald Rumsfeld verstarb im Kreise seiner Familie auf seinem Anwesen in Taos im Bundesstaat New Mexiko. Er wurde 88 Jahre alt.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 30. Juni 2021 um 00:20 Uhr.