Wahlsieger Iohannis beim Bad in der Menge

Stichwahl in Rumänien Ein Siebenbürger Sachse wird Präsident

Stand: 17.11.2014 03:17 Uhr

Ein offizielles Ergebnis gibt es noch nicht, doch bereits jetzt ist klar: Der deutschstämmige Politiker Iohannis wird neuer Präsident Rumäniens. Sein Kontrahent Ponta gratulierte. Ministerpräsident will Ponta aber bleiben - was Vielen missfällt.

Von Stephan Ozsváth, ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa

"Iohannis, Iohannis" riefen Tausende Menschen auf dem Bukarester Universitätsplatz, als der Wahlsieger ein Bad in der Menge nahm. Laut Nachwahlbefragungen wird der Siebenbürger Sachse Klaus Iohannis neuer Präsident Rumäniens.

"Es ist ein besonderer Tag heute: Heute, 25 Jahre nach der rumänischen Revolution, sind die Menschen auf die Straße gegangen um für ihr Wahlrecht zu kämpfen. Der Einsatz, um den es heute ging, ist das Wahlrecht selber. Das ist unerhört", sagt Iohannis.

Die Gratulation reicht vielen Rumänen nicht

Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten Tausende Auslandsrumänen nicht abstimmen können. Aus der ersten Runde war Iohannis Gegner, der sozialistische Premier Victor Ponta, noch als Favorit hervor gegangen. Nach der Stichwahl räumte der seine Niederlage ein.

"Ich will allen Rumänen danken, die heute gewählt haben, und ich will sagen, dass das Volk immer Recht hat", so Ponta. "Ich habe Herrn Iohannis angerufen und ihm zum Sieg gratuliert und ich und all meine Kollegen werden, so lange wir öffentliche Ämter bekleiden, unsere Pflicht gegenüber dem Land tun."

"Da er aber keinen Anstand hat, wird er im Amt bleiben"

Das reichte vielen - vor allem jungen Rumänen nicht. In Bukarest und anderen rumänischen Städten gingen Tausende Rumänen auf die Straße, und forderten den Rücktritt Pontas. In Bukarest rissen die Demonstranten Wahlplakate mit dem Konterfei des Sozialdemokraten herunter.

"Hätte Ponta Anstand, so würde er nach dieser Niederlage zurücktreten", sagte ein Demonstrant. "Da er aber keinen Anstand hat, wird er im Amt bleiben."

Victor Ponta mit Familie bei der Stimmabgabe
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Ponta - hier mit seiner Familie bei der Stimmagabe - will Premier bleiben.

Und so ist es auch: Ponta, der mit seinen Sozialdemokraten seit zwei Jahren regiert, lehnte einen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten noch am Wahlabend unwirsch ab. "Ich wünsche mir nur eins: Dass wir alle verstehen, dass wir ein demokratisches Land sind", so Ponta. "Und so, wie ich das Ergebnis akzeptiere, hoffe ich, dass es auch jene akzeptieren, die unbedingt protestieren wollen - obwohl sie dazu keinen Grund haben."

Wahlbeteiligung sehr hoch

Mit über 60 Prozent war die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang sehr hoch - deutlich höher als in der ersten Runde. Vor allem die Auslandsrumänen waren hoch motiviert, wählen zu gehen. Fast 400.000 gaben am Ende ihre Stimme ab.

"Dieses Ergebnis war zu erwarten", sagt ein Demonstrant. "Es hat viel Bewegung in der Bevölkerung gegeben, die darauf hindeutete. Wenn jetzt zu den Ergebnissen der Hochrechnungen auch die Stimmen der Rumänen im Ausland hinzukommen, die in ihrer Mehrheit gegen Ponta wählen, dann ist der Sieg sicher."

In Turin, Paris und anderen europäischen Großstädten ging die Polizei gegen aufgebrachte Auslandsrumänen vor. Obwohl sie stundenlang in der Warteschlange gestanden hatten, konnten sie wieder ihr demokratisches Grundrecht nicht wahrnehmen: Nämlich wählen zu gehen.

Siebenbürger Sachsen

Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen - zu denen Rumäniens künftiger Präsident Klaus Iohannis zählt - begann vor etwa 850 Jahren, als sich deutsche Kolonisten im Gebiet des heutigen Rumänien ansiedelten.

Zwischenzeitlich bekannten sich fast 750.000 rumänische Staatsbürger zu ihrer deutschen Nationalität. Nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders unter der kommunistischen Diktatur von Nicolae Ceausescu hatten Angehörige der Minderheit jedoch unter Repressalien zu leiden.

Inzwischen leben nach Angaben des Verbandes der Siebenbürger Sachsen nur noch rund 16.000 von ihnen in Rumänien, etwa 250.000 leben in Deutschland. Dazu zählt auch der Rockmusiker Peter Maffay, der aus Brasov stammt.

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