Klaus Iohannis | Bildquelle: ROBERT GHEMENT/EPA-EFE/REX

Präsidentenwahl in Rumänien Schafft es Iohannis ein zweites Mal?

Stand: 10.11.2019 02:34 Uhr

Rumäniens Staatschef Iohannis hofft auf eine zweite Amtszeit: Vor der heutigen Präsidentenwahl lag er in Umfragen vor seinen Gegnern. Seine Landsleute schätzen ihn als Gegenpol zur ehemaligen Regierung.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Südosteuropa

"Ja, ich habe mich entschieden. Ich werde für Klaus Iohannis stimmen." Silviu Miron, Rechtsanwalt aus Bukarest, wählt den bisherigen Amtsinhaber, vor allem aus diesem Grund: "Dass er Deutscher ist, spielt eine große Rolle. Aber die Rumänen hätten sich eigentlich viel mehr von ihm gewünscht, was die Öffnung des Landes gegenüber dem Westen angeht."

Der 60-jährige Iohannis, der der rumäniendeutschen Minderheit der Siebenbürger Sachsen angehört, lag von Beginn an in den Umfragen mit weitem Vorsprung vor seinen Kontrahenten. Da Iohannis vermutlich im ersten Wahlgang nicht die erforderliche absolute Mehrheit von über 50 Prozent erzielen wird, dürfte es zu einer Stichwahl am 24. November kommen.

Anhänger von Klaus Iohannis stehen vor einem großen Foto des rumänischen Präsidenten in Braila im Südosten des Landes. | Bildquelle: AFP
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Iohannis' Anhänger hoffen darauf, dass er erneut die Mehrheit der Rumänen für sich gewinnen kann.

Gegengewicht zur Regierung

Der Präsident verkörperte bislang das innenpolitische Gegengewicht zur ehemaligen sozialdemokratischen PSD-Regierung, die jahrelang den Kampf gegen Korruption und Amtsmissbrauch immer weiter eingeschränkt hatte und in massiven Konflikt mit der EU-Kommission  geraten war.

Iohannis warb im Wahlkampf für eine Rückkehr Rumäniens zu Rechtsstaatlichkeit und Normalität: "Wir wünschen uns, dass auch wir in Rumänien endlich den Standard der Normalität erreichen. Ein normales Rumänien, das wir uns wünschen, ist jenes, in dem die Politiker ihre Ämter im Interesse der gesellschaftlichen Problemlösung ausüben und nicht, um ihre eigenen Probleme zu lösen, die oft strafrechtlicher Natur sind."

Dan Barna von der Partei "Rettet Rumänien" | Bildquelle: BOGDAN CRISTEL/EPA-EFE/REX
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Vor allem die Jüngeren setzen auf Dan Barna von der Partei "Union Rettet Rumänien".

Schleppender Ausbau der Infrastruktur

Junge Wähler richten ihren Blick auf die wesentlichen Herausforderungen ihres Landes, etwa auf den schleppenden Ausbau der Infrastruktur. So ist Bukarest als einzige Hauptstadt in der EU nicht an das europäische Autobahnnetz angebunden.

Die mangelnde Chancengleichheit bei der Vergabe von Jobs im öffentlichen Sektor und die unverändert grassierende Korruption, deren Bekämpfung in den vergangenen drei Jahren von der alten PSD-Regierung massiv eingeschränkt wurde, sind weitere Themen, die die jungen Menschen bewegen.

Präsidentschaftswahlen in Rumänien
tagesschau 13:15 Uhr, 10.11.2019, Michael Mandlik, ARD Wien

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Viele von Politikern enttäuscht

Der 18-jährige Stefan Adrian Vancea, Schüler am traditionsreichen deutschsprachigen Bruckentahl-Gymnasium in Hermannstadt, das auch Iohannis besucht und an dem er später als Physiklehrer unterrichtet hatte: "In unserem Land gibt es viele Personen, die nicht zur Wahl gehen möchten, weil sie satt mit diesen Problemen der Politik sind, weil sie glaubten, dass jeder, der an die Macht kommt, eine korrupte Person ist. Zum Beispiel auch mein Onkel. Er möchte nicht mehr wählen, weil er niemanden für geeignet hält."

Aussichten, die Stichwahl zu erreichen, haben drei weitere Kandidaten: Die ehemalige Ministerpräsidentin Viorica Dancila von der sozialdemokratischen PSD, Dan Barna, der Chef der jungen Antikorruptionspartei "Union Rettet Rumänien" und der beliebte Schauspieler  Mircea Diaconu.

Rumänische Präsidentschaftskandidatin Viorica Dancila von der sozialdemokratischen PSD | Bildquelle: ROBERT GHEMENT/EPA-EFE/REX
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War Regierungschefin und will jetzt Präsidentin werden: Die umstrittene Sozialdemokratin Dancila.

Ex-Regierungschefin hofft auf Stichwahl

Dancila, deren Minderheitsregierung Anfang Oktober im Parlament abgewählt wurde, hofft auf eine Mobilisierung der PSD-Anhängerschaft, um in die zweite Runde kommen zu können: "Wir brauchen eine Präsidentin, die für jeden einzelnen Rumänen zu kämpfen vermag. Und wenn der Präsident Iohannis sich wirklich nur das Beste für dieses Land wünscht und es wirklich liebt, dann soll er am Wahlsonntag für Viorica Dancila stimmen."

Die Wiederwahl von Iohannis werde davon abhängen, auf welchen Gegenkandidaten er in der Stichwahl treffen würde, prognostiziert Cristian Pantasi, Co-Chefredakteur des unabhängigen Online-Portales G4media, in Bukarest: "Wenn er im zweiten Wahlgang auf einen PSD-Kandidaten trifft, liegen seine Gewinnchancen wahrscheinlich bei 120 Prozent. Wenn er in der zweiten Runde gegen Dan Barna antreten würde, den Kandidaten der Union "Rettet Rumänien", dann könnte er einige Schwierigkeiten haben."

Denn die junge Reformpartei "Rettet Rumänien" zielt auf eine ähnliche Wählerklientel wie der Amtsinhaber Iohannis. Um 20 Uhr deutscher Zeit schließen die Wahllokale. Mit verlässlichen Hochrechnungen wird im Verlauf der Nacht zum Montag gerechnet.

Präsidentschaftswahlen in Rumänien
Clemens Verenkotte, ARD Wien
09.11.2019 20:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 09. November 2019 um 19:35 Uhr.

Korrespondent

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Clemens Verenkotte, BR

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