Washingtons Erzbischof Donald Wuerl | Bildquelle: AFP

US-Missbrauchsskandal Washingtons Erzbischof zurückgetreten

Stand: 12.10.2018 15:26 Uhr

Papst Franziskus hat den Rücktritt des Washingtoner Erzbischofs Wuerl angenommen. in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh soll Wuerl an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt gewesen sein.

Erst im Sommer hatte Papst Franziskus den Rücktritt des damaligen Kardinals Theodore McCarrick angenommen. Jetzt muss auch dessen Nachfolger seinen Posten räumen. Nach Vorwürfen gegen den Washingtoner Erzbischof Donald Wuerl im Zusammenhang mit Missbrauchsskandalen nahm Papst Franziskus dessen Rücktritt an.

Das teilte der Vatikan ohne weitere Angaben mit. Zugleich bat Franziskus Wuerl in einem vom Erzbistum veröffentlichten Schreiben, noch so lange im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger ernannt sei.

Vorwurf der Vertuschung

Wuerl war von 1988 bis 2006 der Bischof von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Dort hatten einem Untersuchungsbericht des Generalstaatsanwalts zufolge mehr als 300 katholische Priester über Jahrzehnte hinweg mehr als 1000 Kinder sexuell missbraucht.

Die Kirchenoberen hatten nach Überzeugung der Ermittler trotz Kenntnis der Vorgänge nicht durchgegriffen. Die meisten Fälle sind strafrechtlich verjährt.

Wuerls Name taucht in dem Bericht mehrfach auf - ihm wird unter anderem vorgeworfen, von sexuellen Übergriffen seines Vorgängers als Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, gewusst und den Skandal unter der Decke gehalten zu haben. Außerdem habe er einen Priester trotz Missbrauchsvorwürfen als kirchenrechtlichen Berater im Amt behalten. Dieser sei danach erneut übergriffig geworden.

Generalstaatsanwalt Josh Shapiro | Bildquelle: AP
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Generalstaatsanwalt Josh Shapiro stellte im August den Bericht seiner Untersuchungskommission vor.

Rücktritt im September angekündigt

Nach der Veröffentlichung des Berichts war wiederholt der Rücktritt des Kardinals gefordert worden. Wuerl hatte sich verteidigt und versichert, dass er im Interesse der Opfer gehandelt habe. Er selbst habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Seine Anhänger verwiesen darauf, dass er bestimmte Priester selbst gegen Widerstand aus dem Vatikan bestraft habe.

Im September kündigte Wuerl seinen Rücktritt an. Während einer Messe ging er vor den Opfern auf die Knie. "Man muss bereit sein, das Notwendige zu tun, einschließlich eines Rücktritts", sagte der 77-Jährige. "Dieser Schritt meinerseits wird ein wichtiger Teil der Heilung sein."

"Probleme" nicht in Angriff genommen

Franziskus schrieb, Wuerl habe Fehler gemacht, weil er "Probleme" nicht in Angriff genommen habe. Dies sei jedoch etwas anderes, als Verbrechen zu vertuschen. Es sei ehrenwert, dass der Kardinal diese Argumentation nicht zu seiner Verteidigung vorgebracht, sondern am 21. September seinen Rücktritt angeboten habe. Damit habe er die Einheit der Kirche über persönliche Ambitionen gestellt.

Wuerl selbst bat die Gläubigen erneut um Verzeihung für seine Fehleinschätzungen. Mit einem neuen Erzbischof könnten Gläubige, Priester und Ordensleute Wunden heilen und in die Zukunft blicken.

Kardinal Theodore McCarrick | Bildquelle: dpa
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Wuerls Vorgänger McCarrick war im Sommer zurückgetreten.

Kritik am Papst

Franziskus war zuletzt durch neu aufgebrochene Missbrauchsskandale stark in die Kritik geraten. Bemängelt wird, dass das Kirchenoberhaupt nicht hart genug gegen Täter und Vertuscher durchgreift. Er hatte McCarrick im Juli aus dem Kardinalskolleg ausgeschlossen, nachdem als glaubwürdig eingestufte Vorwürfe bekannt geworden waren, dieser habe nicht nur volljährige, sondern auch mindestens einen minderjährigen Seminaristen missbraucht.

Der mittlerweile angeblich aus Angst um sein Leben untergetauchte ehemalige Vatikanbotschafter in den USA, Erzbischof Carlo Maria Viganò, warf Franziskus wiederholt vor, von McCarricks Vergehen gewusst zu haben.

Im Februar will der Papst mit den Spitzen der weltweiten Bischofskonferenzen im Vatikan über eine effektive Bekämpfung von Missbrauch in der Kirche beraten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 12. Oktober 2018 um 19:06 Uhr.

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