Dominic Cummings | ANDY RAIN/EPA-EFE/Shutterstock

Rückzug von Johnson-Berater Cummings "Niemand ist unersetzlich"

Stand: 13.11.2020 12:41 Uhr

Trotz Skandalen hielt der britische Premier Johnson stets an seinem umstrittenen Berater Cummings fest. Nach seiner erfolgreichen Brexit-Kampagne ist Cummings' Zeit aber offenbar vorbei.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Dominic Cummings galt bislang als engster Berater des britischen Permierministers Boris Johnson. "Dass das jetzt so endet, überrascht mich aber nicht", sagt Bernard Jenkins, einer der führenden Konservativen im britischen Unterhaus. Kein Premierminister könne es zulassen, dass ein Berater zum Dauerthema in der Öffentlichkeit werde und die politischen Botschaften überlagere. "Niemand ist unersetzlich", so Jenkins.

Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Umstrittener Berater

Cummings ist eine der umstrittensten Figuren in der britischen Politik. Er war der strategische Kopf der erfolgreichen Brexit-Kampagne 2016 und der Wahlkampagne für Johnson 2019, die dem Regierungschef eine satte Mehrheit im Unterhaus bescherte.

Gleichzeitig macht Cummings keinen Hehl aus seiner Verachtung fürs politische Establishment. Der 48-Jährige inszeniert sich mit Habitus, Kleidung und Worten bewusst als Außenseiter in der Herzkammer der Macht.

Als sich Johnson im Februar gegen den Rat von Cummings dafür entscheidet, am milliardenschweren Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen London und dem Norden Englands festzuhalten, sagte Cummings dazu nur kryptisch: "Die Nacht ist die richtige Zeit, um gegen das Böse zu kämpfen" - ein Zitat aus einer Trickfilmserie, in der Jugendliche in der Nacht im Pyjama genau das tun.

Cummings' Corona-Fehltritt

Im Mai beherrschte der Berater Cummings die Schlagzeilen mehr als jeder Politiker: Mitten im Lockdown war er mit seiner Familie erst Hunderte Kilometer quer durchs Land gefahren, um seinen Sohn zu den Großeltern zu bringen, und dann von dort aus später noch einmal für eine halbe Stunde nach Barnard Castle - um zu sehen, ob seine Corona-Infektion sein Augenlicht beeinträchtigt hatte.

Cummings überstand auch das: Johnson hielt an seinem Berater fest. Kein Wunder, sagt Fraser Nelson vom liberalkonservativen Magazin "Spectator", Johnson habe Cummings für den Brexit gebraucht - aber da sei jetzt ein Ende in Sicht.

"Seit er in die Downing Street kam, hatte Dominic Cummings die komplette Kontrolle. Das war seine Bedingung für dieses Projekt. Aber jetzt denkt Johnson offenbar darüber nach, wie denn die Regierungsmannschaft nach dem Brexit aussehen soll", meint Nelson. Diese Machtverschiebung scheine jetzt zu beginnen.

Rückzug offenbar zum Jahresende

Bis zum Jahresende werde Cummings 10 Downing Street verlassen haben, heißt es in britischen Medien. Am Donnerstag hatte bereits Johnsons Kommunikationschef Lee Cain seinen Rückzug angekündigt - Cummings und Cain arbeiteten in der Brexit-Kampagne eng zusammen.

Gut für einen Neustart, findet der Tory-Abgeordnete Jenkins. "Das ist eine Gelegenheit, die Regierungsarbeit neu aufzusetzen. Vor allem in den Beziehungen zwischen Regierung und Parlament ist viel kaputt gegangen." Er hofft, dass der Premierminister das wiederherstellen kann.

Cummings selbst verweist darauf, dass er schon immer vorgehabt habe, den Regierungsapparat so umzubauen, dass er selbst irgendwann nicht mehr benötigt wird. Tatsächlich hat er das auch in einem privaten Blogeintrag im Januar so beschrieben - und sein Ziel offenbar innerhalb nur eines Jahres erreicht.

Über dieses Thema berichtete Bayern2 am 13. November 2020 um 12:00 Uhr.

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Moderation 13.11.2020 • 18:01 Uhr

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