Umweltschutz in Ruanda Tüten mitbringen verboten

Stand: 04.11.2013 12:45 Uhr

Wer nach Ruanda reist, muss sich auf sehr spezielle Gepäckkontrollen gefasst machen: Plastiktüten werden direkt eingesammelt und entsorgt. Seit fünf Jahren sind sie verboten. Ruanda gilt damit mittlerweile als Vorbild - nicht nur in Afrika.

Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi, zzt. in Kigali

Langschläfer haben es in Ruanda an jedem letzten Samstag im Monat schwer. Früh am Morgen ziehen Männer und Frauen mit Lautsprechern durch die Straßen und rufen alle zum Mitmachen auf. Großreinemachen im ganzen Land. Die Aktion heißt Umuganda. "Das bedeutet auf Kinyarwanda zusammenhalten, sich gegenseitig helfen", erklärt ein junger Mann.

In einem Teil der Hauptstadt Kigali werden gerade die Abwasserkanäle gereinigt. Dann sollen auch noch Blumen gepflanzt werden. "Wir setzen uns immer neue Ziele. In Ruanda gehört es zur Kultur, dass man gemeinsam an etwas arbeitet", sagt der Vorsteher des Viertels.

Männer in Kigali, Ruanda
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Wasserkanäle reinigen, Blumen pflanzen - In Ruandas Hauptstadt Kigali wird gemeinsam für Sauberkeit gesorgt. Foto: Antje Diekhans.

Die sauberste Stadt Afrikas

Sollte irgendwo Müll herumliegen, wird er eingesammelt und entsorgt. Doch das ist kaum der Fall. Kigali gilt als die sauberste Stadt Afrikas. Sie wurde deswegen schon von den Vereinten Nationen ausgezeichnet. Die Straßen sehen aus wie geleckt. Anders als in anderen Großstädten des Kontinents sind keine weggeschmissenen Plastiktüten zu finden. Denn die sind in Ruanda seit rund fünf Jahren nicht mehr erlaubt. "Es war nicht einfach, das Verbot durchzusetzen", erinnert sich die Vorsitzende der Umweltschutzbehörde, Rose Mukankomeje: "Jeder hat gefragt, ob das ein Witz sein soll. Wie willst du denn gegen Plastiktüten ankämpfen? Schließlich nutzen alle auf der ganzen Welt Plastik."

Vor allem mussten Alternativen gefunden werden. In den Geschäften bekamen die Kunden Papiertüten, um ihre Einkäufe zu verstauen. Außerdem galt das Motto "Baumwolle statt Plastik". "Wir haben angefangen, mit Frauengruppen zusammenzuarbeiten. Sie haben Taschen aus Baumwollstoff genäht. Diese Beutel haben sie dann auch an den Flughäfen verkauft. Das funktioniert inzwischen gut", sagt Mukankomeje.

Keine Einreise mit Plastiktüten

Wer nach Ruanda einreist, muss sich auf genaue Gepäckkontrollen gefasst machen. Alle Plastiktüten werden direkt eingesammelt und weggeschmissen. "Das mag bei den Besuchern erst Irritationen auslösen", sagt die Chefin der Umweltschutzbehörde. Aber letztendlich würden sie sich über die saubere Umwelt freuen - genauso wie die Bevölkerung. "Wir haben Aufklärungskampagnen in Schulen und über das Radio gestartet. Wir haben den Menschen deutlich gemacht, was an Plastiktüten schlecht ist. Auch die Privatwirtschaft haben wir ins Boot geholt. So haben wir es geschafft, den Gebrauch von Plastiktüten ganz zu unterbinden", sagt Mukankomeje.

Flughafen von Kigali, der Hauptstadt Ruandas
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Gepäckkontrolle bei der Einreise - Plastiktüten werden bereits am Flughafen entsorgt.

Andere ostafrikanische Länder nehmen sich Ruanda inzwischen zum Vorbild und haben ähnliche Gesetze erlassen. Bei der Umsetzung hapert es beispielsweise in Kenia und Tansania aber noch. Ruanda ist in punkto Umweltschutz weiter eine Nasenlänge vorn.

Am Aufräumtag stöhnen in Kigali zwar Viele über die Arbeit. Aber letztlich überwiegt die Freude darüber, dass anschließend alles tipptopp aussieht. "In Kigali werden inzwischen große Konferenzen abgehalten. Viele kommen hierher statt nach Nairobi oder in andere ostafrikanische Städte, weil es hier so sauber ist", sagt ein junger Mann. "Wir sind sehr stolz auf das, was wir erreicht haben."

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