Der britische Prinz Harry und seine Frau Meghan verlassen das Windsor Castle, um zum Hochzeitsfest im Frogmore House zu fahren. | Bildquelle: FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/REX

Debatten nach Trauung Ein alternatives königliches Paar?

Stand: 20.05.2018 11:57 Uhr

Die königliche Hochzeit macht vielen Briten Mut. Prinz Harry und Meghan werden bereits als alternatives königliches Paar gefeiert. Die Erwartungen sind hoch.

Von Christoph Heinzle, ARD-Studio London

In einem 1968er Jaguar Oldtimer mit Elektroantrieb chauffiert Prinz Harry am Abend seine frisch getraute Meghan vom Schloss Windsor zur abendlichen Party im nahegelegenen Frogmore House. Die Herzogin von Sussex trägt wieder weiß, diesmal hochgeschlossen, aber schulterfrei - eine Kreation der britischen Designerin Stella McCartney. Die 200 Gäste feiern hinter verschlossenen Türen.

Im Städtchen Windsor dagegen geht das Fest abends lautstark auf den Straßen weiter. Eine kanadische Studentin wünscht dem Ehepaar aber auch etwas Ruhe: "Ich hoffe, den beiden bleiben wenigstens ein paar besondere Momente alleine - angesichts der vielen Prominenten und Zuschauer", sagt sie. "Am Ende geht es um zwei Verliebte, die geheiratet haben und da braucht man auch ein bisschen Zeit für sich selbst."

Hoffnung für die schwarze Bevölkerung

Der besondere Sound und Stil der Trauung ist auch viele Stunden danach noch Hauptgesprächsthema. Der ergreifende Auftritt des Gospelchors, vor allem aber die mitreißende Predigt des US-Bischofs Michael Curry in der altehrwürdigen Sankt-Georgs-Kapelle: "Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Warum? Weil Gott Liebe ist. Es ist Kraft in der Liebe!"

Nicht nur für die Queen ganz neue Töne. Das Paar hatte sich bewusst für einen Mix aus britischen Traditionen und afroamerikanischen Emotionen entschieden. Bei den Fans draußen vor dem Schloss sorgte das nicht nur für Freude, sondern war auch Anlass für hohe Erwartungen. "Das ist noch nie passiert: Jemand mit gemischter Herkunft, afroamerikanischen Wurzeln wird Teil einer königlichen Familie", sagt eine schwarze Britin. "Das bedeutet eigentlich Veränderung, in der Kultur, in der Gesellschaft. Es bedeutet, dass mehr Schwarze an dieser Modernisierung teilhaben."

Bischoff Michael Bruce Curry | Bildquelle: AFP
galerie

Der lebhafte Vortrag von Bischof Michael Curry begeisterte viele.

Meghan Markle trug am Abend einen Ring, der einst Prinz Harrys gestorbener Mutter Diana gehört hatte. | Bildquelle: dpa
galerie

Meghan Markle trug abends einen Ring, der einst Harrys verstorbener Mutter Diana gehört hatte.

Erinnerungen an die Wahl Obamas

Kaum weniger pathetisch formuliert es Julie Montagu, die als Amerikanerin in die traditionsreiche Dynastie des Earls of Sandwich eingeheiratet hat: "Das erinnert mich ein bisschen an die Wahl Barack Obamas, unseres ersten schwarzen US-Präsidenten. Jetzt haben wir die erste amerikanische Prinzessin gemischter Herkunft. Das ist außergewöhnlich."

Experten wie die Prinz-Harry-Biografin Katie Nicholl sind überzeugt, dass der ungewöhnliche Prinz und die engagierte Amerikanerin ihre Möglichkeiten nutzen werden, etwa für wohltätige Projekte und den Einsatz für Menschenrechte. Sie werden schließlich nicht König und Königin. "Sie können ein alternatives königliches Paar werden, das die Grenzen etwas ausweitet, wie wir das zur Hochzeit gesehen haben", meint Nicholl. "Sie werden ihre Agenda mit Respekt und Bedacht festlegen, aber sie werden Dinge anders machen."

Nach der Royal Wedding
Christoph Heinzle, ARD London
20.05.2018 11:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Mai 2018 um 09:00 Uhr.

Korrespondent

Christoph Heinzle, NDR Logo NDR

Christoph Heinzle, NDR

Darstellung: