Bischoff Michael Bruce Curry | Bildquelle: AFP

US-Pastor Curry Feurige Predigt im steifen Britannien

Stand: 19.05.2018 17:11 Uhr

Beinahe hat er dem Brautpaar die Schau gestohlen: Mit einer lebhaften und auch politischen Predigt hat US-Bischof Michael Curry bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle Eindruck hinterlassen.

Der afroamerikanische Pastor Michael Bruce Curry, Chef der anglikanischen Kirche in den USA, hat bei der Trauung von Prinz Harry und Meghan Markle eine flammende Predigt auf die Liebe gehalten und im üblicherweise eher steifen Großbritannien mit seinem Auftritt nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

"Wir müssen die Kraft der Liebe entdecken", zitierte Curry gleich zu Beginn seiner Predigt die US-Bürgerrechtsikone Martin Luther King. "Und wenn wir das tun, werden wir aus dieser alten Welt eine neue Welt erschaffen können. Liebe ist der einzige Weg." Curry brachte damit einen Hauch der afroamerikanischen Kirchenkultur und auch des Kampfes gegen Rassismus mit nach Windsor.

Liebe dürfe weder unterschätzt noch übermäßig sentimental betrachtet werden, sagte der afroamerikanische Prediger. Aber: Es sei Kraft in der Liebe. "Liebe kann helfen und heilen, wenn nichts anderes das vermag." Diese Macht der Liebe könne man hier bei der Hochzeitsfeier beobachten, fügte er hinzu. "Zwei junge Menschen haben sich verliebt, und wir sind alle hier."

Der 65-jährige Geistliche sprach auch über die heilsame Wirkung der von Sklaven gesungenen Spirituals - Markles Mutter stammt von Sklaven ab. Currys Worte wurden damit zu einem unerwarteten Moment der Hochzeitszeremonie. Für Aufsehen sorgte auch Currys leidenschaftlicher Predigtstil - der Bischof holte immer wieder weit mit den Armen aus und unterstrich seine Worte mit bewegtem Mienenspiel und akzentuierenden Pausen.

Leicht irritierte Royals, Begeisterung im Netz

Während so manches Mitglied des Königshaus während des Gottesdienstes leicht irritiert bis befremdet wirkte, erntete Curry im Internet begeisterte Reaktionen. "Ich kann es kaum glauben, dass ein Pastor auf einer verdammten königlichen Hochzeit über Sklaven-Spirituals spricht. Willkommen im 21. Jahrhundert!" schrieb eine Userin. Eine andere kommentierte: "Ich hätte nie gedacht, dass ich bei einer Royal Wedding Zitate von Martin Luther King hören würde." TV-Moderator Piers Morgan stellte ein Bild von Curry ins Internet mit dem Kommentar: "Mein neuer Held!"

"Schön", "kraftvoll" - aber "etwas zu lang"

Zuschauer, die den Gottesdienst außerhalb der Kapelle auf Videoleinwänden verfolgten, reagierten amüsiert angesichts einiger verkniffen dreinschauender Royals und Gäste, die von der anglikanischen Mutterkirche in Großbritannien eher eine gewisse liturgische Sprödheit gewöhnt sind. Prinz Harry und Meghan fing die Kamera dagegen ein, wie sie ein Grinsen unterdrückten.

"Damit habe ich nicht gerechnet. Nett, etwas so anderes zu sehen", sagte eine Zuschauerin, die die Feier vor Schloss Windsor vor der Großbildleinwand verfolgte. Currys Botschaft sei "schön" und "kraftvoll" gewesen - "aber vielleicht etwas zu lang für die britische Öffentlichkeit".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Mai 2018 um 16:00 Uhr.

Darstellung: