US-Präsident Donald Trump steht mit erhobener Faust vor dem Eingang zur Air Force One | Bildquelle: AP

Nach Angriff auf Ölanlagen Trump will Iran-Sanktionen verschärfen

Stand: 18.09.2019 17:52 Uhr

Saudi-Arabien hat Trümmerteile präsentiert, um die Verantwortung des Iran für die Angriffe auf zwei Ölanlagen zu belegen. Teheran bestreitet weiter jede Beteiligung - muss sich nun aber auf weitere US-Sanktionen einstellen.

US-Präsident Donald Trump will die Sanktionen gegen den Iran verschärfen. Er habe Finanzminister Steven Mnuchin angewiesen, die Strafmaßnahmen erheblich heraufzusetzen, schrieb Trump auf Twitter. Weitere Details nannte er nicht.

Damit reagiert Trump offenbar auf die jüngsten Luftangriffe auf zwei saudi-arabische Ölanlagen. Zu den Attacken am Samstag hatten sich die schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Jemen bekannt, die vom Iran unterstützt werden. Die US-Regierung weist dem Iran die direkte Verantwortung für die Angriffe zu. Sie erklärte, es gebe Belege dafür, dass diese von iranischem Boden ausgingen. Nach dem Anschlag drohte der US-Präsident dem Iran bereits mit militärischen Vergeltungsmaßnahmen.

Saudi-Arabien präsentiert Trümmerteile

Auch Saudi-Arabien hat nach eigenen Angaben keine Zweifel an der Verantwortung des Iran. Nach Darstellung der Streitkräfte des Königreichs kam der Angriff aus Norden und wurde "zweifellos von Iran unterstützt". Dies hätten Untersuchungen gezeigt. Als Beweise zeigte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Turki al-Maliki, Trümmerteile von "Drohnen und Marschflugkörpern", die seinen Angaben zufolge von der Angriffsstelle stammten.

Die bei dem Angriff benutzten Drohnen seien außerhalb der Reichweite der Drohnen, die die Huthis benutzten, sagte al-Maliki. Bei dem Angriff auf die Ölraffinerie in Abkaik seien 18 Drohnen eingesetzt worden, bei der Attacke auf die Ölanlagen in Churais insgesamt sieben Marschflugkörper. Vier der Raketen hätten ihr Ziel erreicht, drei weitere seien vorher auf den Boden geschlagen.

Iran dementiert Beteiligung an Angriff

Das iranische Außenministerium wies in einem offiziellen Schreiben an die USA jegliche Verantwortung zurück. "Der Iran hat mit dem Angriff nichts zu tun", heißt es in einem Brief, der den Vereinigten Staaten am Montag über die Schweizer Botschaft in Teheran zugestellt worden sein soll und aus dem die Nachrichtenagentur Irna zitierte. Die Schweiz vertritt im Iran die diplomatischen Interessen der USA. "Falls gegen den Iran eine Aktion ausgeübt werden sollte, werden wir diese umgehend erwidern und die Dimensionen wären nicht limitiert."

Irans Präsident Hassan Rouhani erklärte, der Angriff sei eine "Warnung" der jemenitischen Rebellen an die Regierung in Riad. Saudi-Arabien solle daraus "Lehren" ziehen. Die Jemeniten hätten das legitime Recht, sich gegen die Vernichtung ihres Landes zu wehren - und als Warnung auch industrielle Ziele anzugreifen. "Diese Warnungen sollten ernstgenommen und das Kriegsfeuer in Jemen sollte ein für allemal gelöscht werden", sagte Rouhani weiter.

Heute wird US-Außenminister Mike Pompeo in Saudi-Arabien erwartet. Er will dort über die Reaktion auf die Luftangriffe beraten, wie Vizepräsident Mike Pence ankündigte.

Trump setzt auf "maximalen Druck"

Die Angriffe in Saudi-Arabien haben die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten befeuert. Trump verfolgt seit Beginn seiner Präsidentschaft einen harten Kurs gegen den Iran. Im vergangenen Jahr kündigte er das 2015 geschlossene internationale Atomabkommen, das unter anderem auch von Deutschland unterzeichnet wurde, einseitig auf und führte schrittweise wieder Sanktionen gegen den Iran ein.

Mit einer Politik des "maximalen Drucks" will Trump die islamische Republik dazu bewegen, einem neuen Abkommen mit härteren Auflagen zuzustimmen und die Unterstützung von Terrorgruppen in der Region einzustellen.

Schwere Wirtschaftskrise durch bestehende Sanktionen

Die US-Sanktionen haben die wichtige Öl- und Gasförderung hart getroffen und die ohnehin kriselnde Wirtschaft massiv geschwächt. Arbeitslosigkeit und Inflation stiegen stark an, die nationale Währung Rial verlor dramatisch an Wert. Viele Waren des täglichen Gebrauchs und Grundnahrungsmittel, die importiert werden müssen, sind kaum noch bezahlbar. Die iranische Regierung steht deshalb innenpolitisch unter Druck - sowohl der Bevölkerung als auch der politischen Hardliner.

Als Reaktion darauf fuhr das Land sein Atomprogramm wieder hoch. Zuletzt kam es auch vermehrt zu Zwischenfällen in der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus. Die USA verstärkten ihre Militärpräsenz in der Region.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. September 2019 um 16:15 Uhr.

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