Australische Fueerwehrleute kämpfen im Dezember 2019 im Bundesstaat New South Wales gegen Buschbrände | AFP

Weltkatastrophenbericht Signalfarbe Rot

Stand: 17.11.2020 09:20 Uhr

Vergisst die Menschheit über der Corona-Pandemie den Klimawandel? Diese Sorge formuliert das Rote Kreuz. Ein neuer Bericht stellt fest: 2019 hingen mehr als drei Viertel der Naturkastastrophen mit dem Klimawandel zusammen.

Von Sandra Biegger, ARD-Studio Zürich

Fast vierhundert Seiten dick ist der aktuelle Weltkatastrophenbericht der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC), sein Titelblatt hat die Signalfarbe Rot. Und was in dem Bericht steht, ist alles andere als beruhigend. Allein im vergangenen Jahr hat es demnach weltweit 300 Naturkatastrophen gegeben. Fast 25.000 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Und, das ist den Machern des Berichts besonders wichtig: Mehr als drei Viertel der Katastrophen hängen mit Wetter und Klima zusammen, seien also quasi hausgemacht.

IFRC-Generalsekretär Jagan Chapagain betonte, der Klimawandel ist nichts, was in der Zukunft stattfindet - "der Klimawandel ist bereits da. Das können wir an unseren Zahlen sehen. Der Klimawandel hat bereits jetzt großen Einfluss auf das menschliche Leben."

Wen die Katastrophen am härtesten treffen

Stürme, Hitzewellen, Dürren, Überflutungen - von diesen Naturkatastrophen waren laut dem Bericht vor allem arme Länder wie der Sudan, Afghanistan, Bangladesch, Indien und Somalia betroffen. Viele Menschen dort hätten ihre Arbeit, ihr Hab und Gut verloren, seien auf der Flucht. 

Das Problem sei, dass gerade in diesen Ländern besonders wenig Geld ausgegeben werde, um die Bevölkerung vor den Folgen des Klimawandels zu schützen - zum Beispiel, indem Dämme gebaut oder Frühwarnsysteme entwickelt werden. Hier müsse internationale Hilfe ansetzen - mit den richtigen Prioritäten: "Das Geld muss in die Länder gehen, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden, und innerhalb dieser Länder muss das Geld in die Gemeinden gehen, die besonders betroffen sind."

Außerdem müsse überlegt werden, so Chapagain, wie man humanitäre und Entwicklungshilfe richtig steure. Seine Empfehlung: "Alles muss vor Ort entschieden werden gemeinsam mit den Menschen, die vor Ort leben und sich auskennen."

Sorge vor nachlassender Wachsamkeit

Chapagain warnt, trotz der Corona-Pandemie dürfe das Thema Klimawandel nicht ins Hintertreffen geraten. Mit etwas Glück gebe es in absehbarer Zeit einen Impfstoff und das Virus sei unter Kontrolle. Naturkatastrophen aufgrund der Erderwärmung würden die Menschheit hingegen dauerhaft begleiten. Der IFRC-Generalsekretär appelliert deshalb auch an die Staaten, einen Teil des Geldes aus Corona-Hilfsprogrammen in Klimaschutzprojekte zu investieren und mehr über Umweltschutz nachzudenken. 

Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung will bei dem Thema selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Der Versuch, im Katastrophenfall den Betroffenen möglichst schnell Hilfsgüter zu bringen, habe dazu geführt, dass diese Güter zehntausende Kilometer weit geflogen wurden. "Wir haben oft unglaubliche Müllberge zurückgelassen, das werden wir nicht mehr tun", versprach Chapagain. "Wir müssen bei allem, was wir tun, mehr darauf schauen, dass unsere Hilfen heute nicht die Probleme von morgen verursachen."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 17. November 2020 um 10:07 Uhr.