US-Handelsminister Ross | Bildquelle: AFP

US-Handelsminister Ross Geschäfte trotz Handelsstreits

Stand: 20.06.2018 11:34 Uhr

Trotz des eskalierenden Handelsstreits mit Peking macht US-Handelsminister Ross offenbar Geschäfte mit chinesischen Investoren. Kritiker sehen einen Interessenkonflikt.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Wilbur Ross ist die zentrale Figur im eskalierenden Handelsstreit der USA mit China. Aber der US-Handelsminister verfolgt auch private Geschäftsinteressen in der Volkrepublik. Denn der Milliardär habe nicht all seine Investitionen aufgelöst, erklärt Dan Alexander vom Magazin "Forbes": "Er verkaufte einen Teil seiner Beteiligungen an Goldman Sachs. Einen anderen Teil hat er jedoch in einen Treuhandfonds für seine Familie gelegt. Das entspricht den Regeln, aber löst nicht den grundlegenden Interessenkonflikt, der Sorgen bereitet."

Lob bei Anhörung

Im Gespräch mit dem Radiosender "National Public Radio" (NPR) erinnert Alexander an Ross' Anhörung im US-Kongress. Im Januar 2017 lobten Senatoren wie Richard Blumenthal, dass der Republikaner bereit sei, für sein Ministeramt auf Posten in Unternehmen zu verzichten. "Sie haben 50 Sitze aufgegeben. Der Vorgang war sehr komplex, herausfordernd und für Sie persönlich auch teuer", erklärte der Abgeordnete.

Ross versprach damals, eine Reihe von Anteilen zu verkaufen, um Interessenkonflikte zu vermeiden - und bekam die Zustimmung von mehr als 70 Senatoren.

ParadisePapers zeigen Beteiligungen Ross`auf

Erste Zweifel kommen im November 2017 mit den ParadisePapers auf - Datensätze, die zeigen, wie internationale Konzerne mithilfe von Off-Shore-Konstruktionen Steuern vermeiden. Sie wurden unter anderem von der "Süddeutschen Zeitung" gemeinsam mit NDR und WDR ausgewertet.

Dabei kam heraus, dass Ross vier Briefkastenfirmen auf den Cayman Islands behalten hatte. Zudem hält er Anteile am Schiffsunternehmen Navigator. Das wiederum transportiert für das russische Gasunternehmen Sibur Flüssiggas - ein Unternehmen mit direktem Draht zum Kreml.

Ross sagt zu seiner Verteidigung, er habe nicht gelogen: "Die Beteiligungen an Navigator sind an drei verschiedenen Stellen offengelegt worden. Der Vorwurf, ich habe den Ausschuss getäuscht, ist völlig haltlos."

Insiderwissen genutzt?

Jetzt deckte das US-Magazin "Forbes" auf, dass Handelsminister Ross fünf Tage vor Veröffentlichung der ParadisePapers an der Börse gegen seine eigene Beteiligungen gewettet hat. Womöglich, um auch an fallenden Aktienkursen zu verdienen. Ross wusste von der drohenden Enthüllung.

Zudem musste der US-Handelsminister einräumen, dass er nicht alle Zusagen eingehalten hat. So hielt er im November 2017 immer noch Anteile an der Investmentfirma Invesco. Und er hatte gegen den Kurs einer Bank gewettet - was auch als Investition gilt.

Zweifelhafte Geschäfte mit chinesischen Investoren

"Forbes"-Journalist Alexander hält die Verbindung zu chinesischen Unternehmen und der Regierung in Peking aber für den größten Interessenkonflikt des Ministers: "Die chinesische Regierung führt einen unabhängigen Anlage-Fonds, der gemeinsam mit Ross‘ Fonds investiert hat. Bei einer Firma wie Diamond S. Shipping sind sie zum Beispiel zu gleichen Teilen Besitzer: Ross, der im Namen der US-Regierung Verhandlungen führt, und der Investmentfonds der chinesischen Regierung."

Diese Beteiligungen sind offenbar nicht an die Investmentbank Goldman Sachs gegangen, sondern in den Treuhandfonds der Familie Ross. "Rechtlich ist es legal, alles abzuladen in einem Treuhandfonds für deine erwachsenen Kinder - wenn Du 80 Jahre alt bist. Das ist Ross bereits. Das Büro für Ethische Regierungsführung ist also damit einverstanden. Aber mal schauen, ob alle Menschen das so sehen", sagt Alexander weiter.

Im drohenden Handelsstreit empfiehlt Ross Investoren, immer gelassen zu bleiben. Der Milliardär hält sich bei seinen eigenen Geschäften mit Sicherheit auch daran.

US-Handelsminister Ross' private Geschäftsinteressen in China
Torsten Teichmann, ARD Washington
20.06.2018 11:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Juni 2018 um 11:41 Uhr in der Wirtschaft.

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